Saskatchewan - die Agrarprovinz

Bis zum Horizont - 360° Farmland

 

 

Am Onion Lake überfuhr ich die Grenze von Alberta nach Saskatchewan (sprich Säsketschewän). Diese Provinz hat die Form eines länglichen Rechtecks. Die meisten Grenzen in Kanada sind „mit dem Lineal“ entstanden oder irgendwann einigte sich irgendwer auf Längen- oder Breitengrade. Saskatchewan ist Farmland und in Kanada gilt diese Provinz als arm. Das merkte ich auch gleich, denn die kleinen „dreistelligen„ Straßen (z.B. local road 635) sind hier nicht asphaltiert. Das war eine große Umstellung für mich, denn auf Schotter fährt es sich natürlich nicht so gut. Besonders nachdem es regnete.
Der TCT hier ist gegenüber Albertas Osten unverändert, also grober Schotter und viel Sand. Ich versuchte es noch einmal, mich mit dem Trail zu „versöhnen“, doch das endete in totalem Frust. Es hatte die Nacht davor stark geregnet und in dem Boden hier scheint etwas Lehm enthalten zu sein. Jedenfalls klebten Erde, Sand und Steine nach einigen 100 Metern zwischen den Reifen und den Schutzblechen und schleiften so an den Reifen. Das bremste sehr und meine Reifen wurden davon auch nicht gerade besser. Also ging es wieder zurück auf die Landstraßen, diesmal aber auf die „26“, denn dort hatte ich einen komfortablen Seitenstreifen und Asphalt. 
Die Landschaft war noch immer wellig, wurde aber zunehmend flacher. Statt Raps wird hier mehr Corn (Gemüsemais, der wird hier viel als Beilage und zum Grillen gegessen) angebaut, ansonsten Getreide bis zum Horizont. Und es gibt hier erstaunlich viele Seen. Die Landschaft erinnert mich sehr an Schleswig-Holsteins Plöner Seenplatte, nur etwas flacher. Leider gab es nie einen Zugang zu den Seen. Die Ufer waren sumpfig und viele Meter breit mit dichtem Schilf und viel Pompesel, eine Pflanze, die bei uns leider so gut wir ausgestorben ist, bewachsen.
Ich kam durch einige Gebiete der „First Nation“. Leider waren die Orte alle ziemlich ungepflegt. Sehr einladend waren sie jedenfalls nicht und die Menschen machten einen „verhuschten“ Eindruck. Ich fuhr zügig durch.

 

Dafür wurde ich mit einer neuen Herausforderung konfrontiert. Auf den Farmen gibt es natürlich Hunde. Und die sind wohl an Radfahrer nicht gewöhnt, jedenfalls kamen sie mit lautem Gebell und gefletschten Zähnen von den Höfen angerannt und einige versuchten auch, nach meinen Beinen zu schnappen. Erst ein lautes „Shut up“, hielt sie von weiteren Angriffen ab.   

 

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Abgesoffen

Camping im See

 

 

Saskatchewan bietet leider keine Abwechslung und wurde nach einigen Tagen langweilig. Das einzig Wechselnde waren die Getreidesorten. Ich ertappte mich dabei, dass ich von Weitem rätselte, wie viel Getreidesilos die nächste Farm haben wird und auf welche Siedlerherkunft der Name des nächsten Ortes schließen ließ. Und ich hatte mich schon gewundert, dass weder die Provinz noch deren Städte in den Reiseführern meines E-Books erwähnt werden. Und ich habe sehr detaillierte Reiseführer von mehreren Verlagen. Jetzt weiß ich warum!
Auch die Kanadier, mit denen ich ins Gespräch kam, meinten der Westen und Osten des Landes seien traumhaft schön, aber in der Mitte sollte man nur durchfahren. Ich muss einräumen, das waren auch Kanadier aus dem Osten bzw. Westen. Aber es stimmte irgendwie, denn auch ich fuhr eigentlich nur Fahrrad. Die Reise wurde zur reinen Radtour abgewertet. Ich strampelte täglich über 100 km, weil es nichts zu besichtigen gab und ich kaum etwas fand, was einen Fotostopp wert war. Das hatte zur Folge, dass sich zum ersten Mal auf dieser Reise mein Hinterteil unangenehm bemerkbar machte. Es war dieses ununterbrochene Sitzen auf dem Sattel nicht gewohnt.  
Im Ort North Battleford wurde ich dann doch noch überrascht. Nämlich von einem Gewitter riesigen Ausmaßes mit taubeneier-großen Hagelkörnern. Ich rettete mich auf einen Campingplatz und weil der Regen so plötzlich und so heftig einsetzte, konnte ich mir nicht mehr die Regengamaschen über die Füße stülpen, sodass das Wasser an meiner Regenhose herunter, direkt in die Schuhe lief. Toll, es war nasskalt und jetzt hatte ich noch nasse Schuhe.
Im Regen baute ich das Zelt auf und hatte mir wohlweislich eine etwas höhere Stelle ausgesucht. Das war gut so, denn binnen einer Stunde glich der Campingplatz fast einem See. Es schüttete die ganze Nacht durch, Blitze und Donner wollten nicht aufhören und am nächsten Morgen konnte ich Schlafsack und Luftmatratze noch einigermaßen trocken einpacken.
Mein Entschluss stand nun fest, auf dem kürzesten Weg nach Saskatoon zu radeln. Vielleicht würde ich Glück im Unglück haben, denn Saskatoon ist eine Station auf der Via Rail-Strecke. Ich würde dann das letzte gute Drittel der Provinzquerung mit dem Zug fahren. Genau auf der Grenze nach Manitoba, der letzten Provinz meiner Reise, ist ein Bahnhof.
Dieser Gedanke beflügelte mich, denn ich trat die Reise mit dem Anspruch an, Freude zu haben. Und die hatte ich nicht mehr. Im Internet erfuhr ich, das am Donnerstag, den 10.08 morgens in Saskatoon der Zug Richtung Manitoba abfährt. Das erforderte ordentlich in die Pedalen zu treten, um bis Mittwochabend dort zu sein. Ich hatte mich die letzten Tage bereits gewundert, woher meine Beine die Kraft und Ausdauer hernahmen. Ich bin ja ziemlich dünn geworden. Und auch jetzt rotierten die Beine, was das Zeugs hielt und dabei merkte ich gar nicht, dass ich die 3.000er-Kilometermarke knackte. Und wieder kam mir mein Schutzengel, diesmal in Gestalt von Nester, zur Hilfe. Ich stand auf dem Seitenstreifen des Highways, um etwas zu trinken. Ganz selbstverständlich hielt er an, bemerkte, dass er nach Saskatoon fahren würde und ratz fatz war das Rad auf der Ladefläche seines Pick up fest gezurrt. Es war eine kurzweilige Fahrt. Seine Vorfahren waren aus der Ukraine eingewandert, die seiner Frau aus Deutschland. Ich erfuhr viel von der Besiedelung des Landes und es war interessant zu hören, wie oft sich die Eheleute in der Siedlergeschichte aus unterschiedlichen Nationen zusammenfanden und so die Basis für die, hier funktionierende, multikulturelle Gesellschaft, bildeten. In Saskatoon wollte er mich unbedingt beim Campingplatz absetzen und machte auf dem Weg zu diesem noch eine Stadtrundfahrt mit mir. Bei der Rezeption angekommen wartete er so lange, bis feststand, dass ich hier unterkommen würde. Er hätte mich sonst zum nächsten Platz gefahren. Danke Nester, du bist ein ganz feiner Mensch!!!  

 

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Mit dem Zug nach Manitoba

Deswegen fahre ich mit dem Zug

 

Am nächsten Tag checkte ich zur Sicherheit den Weg zum Bahnhof. Das war gut so, denn das Navi war nicht auf dem neuesten Stand und wollte mich auf Straßen schicken, die es gar nicht mehr gab. Der „Bahnhof“, auch hier eine triste Zweckhalle zwischen vielen Gleisen in einem Industriegebiet, war natürlich geschlossen. In diesem riesigen Land gibt es nur diese eine West-/Ost-Zugverbindung von Vancouver nach Toronto. Der Zug fährt nur dreimal in der Woche und die sogenannten Bahnhöfe öffnen nur zwei Stunden vor Zugankunft und ist der weg, wird sofort wieder geschlossen. Ich hatte also ein kleines Risiko, gar keine Fahrkarte mehr zu bekommen. Denn wer weiß schon, wie voll der Zug ist. Hier sind schließlich Ferien.

 

Aber am nächsten Morgen bekam ich meine Fahrkarte, aber nicht die, die ich wollte. Von der Zugfahrt nach Edmonton hatte ich noch den Via Rail-Flyer und der wies eine Station genau auf der Grenze von Saskatchewan nach Manitoba aus. Dort wollte ich hin. Doch diese Station gibt es nicht mehr – gestrichen. Es stiegen kaum Leute ein und aus, wurde mir erklärt. So blieb mir nichts anderes übrig, als den ersten Bahnhof in Manitoba, das Städtchen „Rivers“ zu buchen. Denn der einzige Bahnhof davor, folgte ziemlich dicht hinter Saskatoon. Da hätte sich die Zugfahrt nicht gelohnt.

Die Ausblicke aus dem Fenster bestätigten mir, dass meine Entscheidung richtig war. Ich fuhr stundenlang nur durch eintöniges, flaches Grün. Die einzige Abwechslung war ein grauer „Berg“. Dort wird Pottasche (Kaliumkarbonat) abgebaut.
Ich vertiefte mich in mein E-Book oder döste vor mich hin.     

 

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