Ankunft in Vancouver

Nach einem einigermaßen guten Flug, 11 Stunden Economy reichen, kam ich bei gemischtem Wetter und 15° an. Die bange Frage war: Ist das Fahrrad unbeschadet oder überhaupt angekommen? Sind die vier zu einem Gepäckstück zusammengepackten Packtaschen komplett geblieben? Oder hat die "Security" alles auseinander genommen und die Packtaschen nicht wieder richtig zusammengeschnürt? Genügend prüfwürdiges habe ich ja dabei: der Kocher, die Thermoskanne und so manches mehr. Und akzeptiert die Einreisebehörde das ich kein Rückflugticket habe?

 

mehr lesen 6 Kommentare

Nach Vancouver Island

Die frische Seeluft wehte meine Müdigkeit, mit einigen Dösunterbrechnungen war ich jetzt über 30 Stunden wach, weg und ich genoß die schöne Landschaft beim Durchfahren zwischen den vielen vorgelagerten Inselchen. Das Wetter war noch immer durchwachsen, aber exakt beim Verlassen der Fähre fing es an zu regnen. Keine 50 Meter und ich packte die Regenklamotten aus. Vancouver Island, das hatte ich mir anders vorgestellt. 

Das Navi führte mich dann zum Campingplatz, der nur wenige Kilometer entfernt war.

An einer Kreuzung traf ich zwei kanadische Radlerinnen die nicht genau wußten wohin sie abbiegen mussten, denn auch sie wollten zum  Campingplatz. Und so lotste ich sie zum Ziel.  

Pünktlich mit dem Dunkelwerden waren wir da und so konnte ich im letzten Tageslicht das Zelt aufbauen.

mehr lesen 1 Kommentare

Die erste Tour führte nach Victoria

Campground McDonald
Campground McDonald

Meine erste Nacht in Kanada verbrachte ich bei Regen im Wald-Campingplatz "McDonald". Statt eines amerikanischen Spezialitätenrestaurants waren hier nur Plumsklos und draußen ein Wasserhahn. Eigentlich wollte ich hier ein paar Tage bleiben, um erst einmal "anzukommen". Aber bei einem mehrtägigen Aufenthalt brauche ich schon einen Mindestkomfort wie Duschen und Strom. Der moderne Radler reist heutzutage schließlich mit Netbook, GPS und ähnlichen Stromfressern.

Also packte ich das nasse Zelt ein und wollte gerade los, da kamen die beiden Frauen vom Vorabend, Justa und Shannon. Sie brachten noch Johann aus Saarbrücken mit, der gestern wohl noch nach uns ankam und fragten mich, ob ich mit zum Frühstück in den nächsten Ort käme. Na klar, ein Frühstück in netter Gesellschaft, da schmeckt es gleich viel besser.  

mehr lesen 4 Kommentare

Letzter Tag in Victoria

Heute "genieße" ich noch einmal meine 70,- Dollar-Suite im Hostel. Ich werde es vermissen, auf dem Weg zum Bett nicht über Packtaschen steigen zu müssen. Morgen starte ich den Trail, der hier ja seinen westlichen Startpunkt hat. Obwohl heute Sonntag ist haben die meisten Geschäfte geöffnet und ich konnte meine letzten Erledigungen machen. Ich kaufte für die nächsten Tage Lebensmittel ein, denn morgen werde ich den gut besiedeten Küstenstreifen verlassen und ins einsame Inselinnere fahren. Ich werde 4-5 Tage Selbstversorger sein. Und zwei wichtige, kanadische Utensilien sind jetzt auch dabei: Mückenspray für die Haut und Spray gegen Bären. Zu letzterem meine der Verkäufer trocken: "It`s good you have it, it`s better you don`t need it". Ich verfüge nun über einen kanadischen "Waffenschein light", denn der ist hier Vorschrift. Dieses Spray hat die Größe einer Haarspraydose, ist schließlich kein Spielzeug und so wurde meine Daten registriert. Ich mußte eine Erklärung unterschreiben, daß ich das Spray nur bei einem Bärenangriff benutzen darf. Alles andere ist unter Strafe, teilweise sogar mit Gefängnis, verboten. Jedes Bärenspray ist mit einer Nummer versehen, die zusammen mit meiner Personalausweisnummer registriert wurde.

mehr lesen 5 Kommentare

Noch ein Tipp und vorläufig tschüß

Ich bekam eine Mail, daß die Fotos zu klein sind. Wer mehr sehen will: einfach auf das Foto klicken und schon ist das "Problem" gelöst. Viel Spaß beim Schauen. Übrigens, ich freue mich über Kommetare........ 

Und der aufmerksame Leser wird es registriert haben: ich melde mich für ein paar Tage ab und verschwinde in die (hoffentlich nicht in der) Wildnis. See you later and take care! Knock on wood, not on bears!

0 Kommentare

Der TCT auf Vancouver Island - erste Bärensichtung und physische Grenzen

Mile "0" vom Trans Canada Highway
Mile "0" vom Trans Canada Highway

Der offizielle Startpunkt des TCT an der Pazifikküste war eine Enttäuschung. Die Stadt Victoria hat noch nicht einmal einen offiziellen Startpunkt spendiert.

Für das obligatorische Startfoto mußte einen Kilometer weiter der Beginn des Trans Canada Highway herhalten. Hier hat der kanadische Automobilclub ein "Mile 0"-Schild aufgestellt.

Durch Victoria führt der TCT entlang der Küste und am Binnenhafen vorbei. Das kannte ich bereits von meinen Ausflügen. Am Stadtrand beginnt eine stillgelegte Eisenbahntrasse, die schon seit Jahren als "Galloping Goose Trail" eingerichtet ist und nun in den TCT integriert wurde. Warum der Trail "galoppierende Gans" heisst konnte mir niemand beantworten. Aber alle lachten bei meiner Frage. Eine Dame meinte grinsend: "Da muss erst ein Deutscher fragen, daß mir der komische Name auffällt." Ja, so sind sie, die germans - immer pingelig und genau. Wahrscheinlich lief einmal eine Gans vor der Eisenbahn auf den Gleisen. Der Weg ist asphaltiert und hat in regelmäßigen Abständen Rastplätze mit Trinkwasser. So konnte ich meine Flaschen immer wieder auffüllen - prima. 

mehr lesen 5 Kommentare

Die totale Wildnis und tolle Brücken

TCT-Regeln: Nur Muskelkraft ist erlaubt!
TCT-Regeln: Nur Muskelkraft ist erlaubt!

Heute fand ich den Einstieg in "meinen TCT" schnell. Auch dieser Abschnitt, der "Cowichan Valley Trail", ist eine ehemalige Eisenbahnstrecke, existiert schon seit Jahren und wurde dann später Bestandteil des TCT.

Der Name hat nicht mit Kühen zu tun, es ist eine Bezeichnung aus einem der vielen Sprachen der "First Nations". So die amtliche Bezeichnung der "Natives" oder "Indianer". 

 

Man hatte es wohl gut gemeint mit den Trailnutzern und hatte dermaßen viel Schotter auf den Trail verteilt, dass ich trotz meiner breiten Reifen nur schwer voran kam. Das ging schon wieder fix in die Beine. Die Pferde sind wohl die Einzigen, die sich freuen. Ich sehe tatsächlich öfters Pferdeäpfel auf dem Weg, traf aber nie einen Reiter. Heute traf ich ohnehin keinen Menschen mehr. Den nächsten Homo Sapiens sah ich erst am nächsten Tag abends.
Ich kam also nur langsam voran. Aber das war mir egal, ich hatte alles dabei was ich zum Leben brauchte. Ich genoß die Natur, die Stille und die Einsamkeit. Als gegen Abend erste Tropfen fielen, baute ich schnell am Wegrand das Zelt auf. Nach dem Abendessen, es gab Nudeln mit einer Spaghetti Carbonara Soße aus der Tüte, veredelt mit einer halben Zwiebel, hängte ich wieder alles Riechende an einen Ast. Dann testete ich das Bärenspray. Sollte der sehr selten vorkommende Fall einer direkten, agressiven Begegnung passieren, hätte ich kaum die Zeit erst einmal die Bedienungsanleitung zu lesen. Nach dem Entsichern drückte ich mit gestrecktem Arm auf den Hebel und schon schoß, mit dem Druck eines Feuerlöschers, ein brauner Nebel aus der Dose. Oh Mann, da steckt ne Menge Wucht hinter. Natürlich war es total windstill und ich hatte direkt nichts abgekriegt, trotzdem mußte ich die nächsten Minuten laufend niesen und hatte ein leichtes Brennen in den Augen. Aber jetzt weiß ich wie das Spray zu handhaben ist.

Ab diesem Zeitpunkt trug ich in der Wildnis das Spray immer im Holster am Gürtel.    

mehr lesen 2 Kommentare

Kampf mit der Natur

Über Nacht hatte es sich nicht nur eingeregnet, es goß aus Eimern. Ich wußte das ich hier durch den sogenannten "gemäßigten Regenwald" fuhr. Aber dies war alles andere, nur nicht gemäßigt. Ich baute im Außenzelt das Innenzelt ab, um wenigsten das trocken zu haben. Im Schutz des Außenzeltes frühstückte ich und packte. In voller Regenmontur fuhr, schlitterte und rutschte ich den Trail entlang. Zum Teil stand das Wasser zentimeterhoch und ich musste mich durch Schlammpassagen kämpfen. Die Natur wurde zusehens wilder und holte sich zurück, was der Mensch ihr einst nahm. Der Trail wuchs buchstäblich wieder zu. Manchmal konnte ich vor lauter Zweigen den Weg vor dem Vorderreifen nicht mehr erkennen. Mit gesenktem Kopf, teilte ich die Äste. Ein auch nur kurzes Loslassen einer Hand vom Lenker hätte einen Sturz zur Folge gehabt. Der Fahrradhelm leistet gute Dienste. Trotzdem kam es mal vor, dass ein Zweig unten durch rutschte und ins Gesicht schlug, was blutige Schrammen zur Folge hatte. Aber es gab keine andere Möglichkeit. Als ich abends im Ort das Visitor Center betrat, wurde ich komisch angesehen und erschrocken gefragt: " Did you have a bear attack"? Nachdem ich sagte, dass ich vom Trail komme und Bären nur gesichtet hatte, hieß es lediglich "Ach so" und die Sache war erledigt. Okay, so ist das hier also.

Aber noch kämpfte ich mich durch die Naturgewalt und bewunderte, ja genoß sie aber auch. Der undurchdringliche Regenwald, meterhohe Farne und Ahornblätter mehrfach so groß wie meine Hände. Immer wieder sah ich umgestürzte Baumgiganten aus denen neues Leben sproß. Das ist noch Natur pur.

Ich hatte überhaupt gar kein Gefühl mehr für Zeit und Raum. Ich wußte nur, hier muß ich durch. Es gab nicht einem Quadratmeter um ein Zelt aufzustellen. Und so fuhr und fuhr ich. Und langsam lichtete sich der Urwald, der "Pfad" wurde Stück für Stück wieder ein Trail und erste Häuser kamen in Sicht. Ich hatte es geschafft, ich war da im doppelten Sinne durch. Im besagten Visitor Center des Ortes Lake Cowichan schickte man mich an die anderes Seite des Ortes zum Campingplatz. Und wieder belebte mich eine heiße Dusche, denn dies war der zweite Tag in Folge, der richtig Kraft gekostet hat. Nachts wachte ich auf, weil ich Krämpfe in den Waden und Fußgelenken bekam. Daraufhin kaufte ich mir am nächsten Tag Magnesiumtabletten.    

mehr lesen 4 Kommentare

Zurück zur Küste

Eigentlich wollte ich nach den beiden "harten" Tagen heute eine Pause einlegen. Der Körper hätte es verdient gehabt. Aber es regnete noch immer und der Campingplatz bot für die Zelter noch nicht einmal eine Überdachung mit ein paar Tischen und Bänken. Man war gezwungen den ganzen Tag im Zelt zu verbringen. Hiker und Biker haben nun mal kleine Zelte und da ist es nicht so toll, den ganzen Tag drin zu hocken. Und da es auch noch nasskalt war, brach ich wieder auf. Beim Radfahren in den wasser- und winddichten Klamotten ist es wenigstens schön warm.
Diese Entscheidung war goldrichtig, denn nach nur einer Stunde schien die Sonne. Der Trail ließ sich prima fahren und es ging wohl immer ein wenig bergab, denn ich flitzte mit 22-28 km/h über den feinen Schotter, dass die Steinchen nur so zur Seite flogen. Ohne es darauf ankommen lassen zu wollen, "machte ich richtig Kilometer". Wieder durchfuhr ich eine schöne Landschaft und der Trail war teilweise mit wildem, in voller Blüte stehendem Ginster gesäumt. Leider sah ich auch immer wieder Kahlschläge der Holzindustrie. Die hat in Kanada eine große Bedeutung und deren Lobby ist sehr einflussreich.
Zügig hatte mich die Zivilisation wieder. In der Stadt Duncan gab es mal wieder nicht einen Hinweis, wo denn hier der TCT verläuft und so bemühte ich wieder mein Navi. Ich wusste das der Trail später an der Küste auf einer kleinen Straße verläuft. Ob ich genau dem Trail folgte, weiß ich nicht, jedenfalls kam ich durch eine liebliche und bäuerliche Landschaft mit kleinen, gepflegten Farmen. Und dann legte mich das Navi oder eigentlich die digitale Karte aufs Kreuz. Ich musste irgendwann wieder den Trans Canada Highway kreuzen, der hier parallel zur Küste verläuft. Nach einer langen Talfahrt avisierte mir das Gerät eine Unterführung. Aber es gab gar keine. Die Straße machte stattdessen einen 180°-Knick auf die Autobahn. Den Berg zurück wieder hochjapsen wollte ich auch nicht und so fuhr ich wieder ein paar Kilometer auf dem Pannenstreifen bis zur nächsten Ausfahrt. Diese brachte mich nach ein paar Minuten an die Küstenstraße und wieder auf den TCT. Es war schön wieder am Meer zu sein, die frische Brise zwang mich allerdings in einen Pullover. Heute war übrigens der erste Tag der Tour, an dem der "Reisecomputer" des Navis negative Höhenmeter anzeigte (Saldo aus berghoch und bergab). Ich fuhr auf dem Weg zur Küste logischerweise mehr bergab als bergauf.

Die Straße hier muss immer den gleichen Namen haben, denn obwohl die Häuser ziemlich große Abstände zueinander haben, sind die Hausnummern fünfstellig. Einige Bewohner geben sich mit ihren Hausnummern richtig Mühe. Leider verlaufen die Landstraße und die Autobahn manchmal direkt nebeneinander. Und genau an so einer Stelle liegt der Campingplatz, den ich für heute ansteuerte. Es ist der Einzige in der ganzen Gegend, und da es bereits dunkel wurde, mußte es dieser sein. Der Platz entpuppte sich als der reinste Albtraum. Nur mit einem Bretterzaun von der Autobahn getrennt, alles heruntergekommen, alle Gebäude waren abgeschlossen und, obwohl die meisten Wohnwagen beleuchtet waren, sah ich keine Menschenseele. 

Bei einem Wohnwagen stand die Tür auf und nachdem ich rief erschien ein mürrischer alter Mann. Auf meine Frage nach einem Zeltplatz zeigte er grußlos auf eine mit Unkraut bewachsene, steinige Stelle neben einem Pixieklo. Nun denn. Besser als im Dunkeln auf der Autobahn fahren. Wohlweislich baute ich nur das Zelt auf und ließ das Fahrrad bepackt. Ich wollte morgen in aller Frühe verschwinden. Kein Wasser, keine Toilette, keine Dusche, eine schmutzige, ungepflegte Zeltfläche mit spitzen Steinen. Für was soll ich hier bezahlen? Es folgte dann die schlimmste Nacht seit Langem. Der Verkehr ruht hier nie. Der Trans Canada Highway ist die einzige und wichtigste, durchgehende West-Ost-Verbindung dieses riesigen Landes. Und die Brummis sind 24/7 unterwegs. Ich dämmerte mehr vor mich hin, als das ich schlief.     

mehr lesen 2 Kommentare

Nach Nainamo zur Fähre nach Vancouver

Um 5 Uhr krabbelte ich aus dem Schlafsack, packte zügig alles zusammen und war kurze Zeit später unterwegs. Ein schlechtes Gewissen wegen der geprellten Zeche hatte ich ehrlich gesagt nicht. Wo hätte ich auch bezahlen sollen. Das Office war ja immer geschlossen ;-).

An der nächsten Kreuzung gab es eine kleine Mall. McDonalds war das Einzige, was schon geöffnet hatte und so gab es dort die Katzenwäsche und ein kleines Frühstück. Beim Weiterfahren sah ich noch einen Friseur, und da ich in Vancouver ohnehin die Haare schneiden lassen wollte, erledigte ich das geich hier. Ich erinnere mich nicht, mal so kurze Haare gehabt zu haben. Aber unter dem Helm, besonders wenn es heiß ist, ist es einfach praktischer und angenehmer.
Die Straße entang der Küste muss immer den gleichen Namen haben, denn obwohl die Häuser ziemlich große Abstände zueinander haben, sind die Hausnummern fünfstellig. Einige Bewohner geben sich mit ihren Hausnummern richtige Mühe. Ich wurde ausnahmsweise mit steilen Anstiegen verschont und war schon mittags auf dem Campingplatz von Nainamo. Der liegt sehr schön im Wald aber trotzdem mit Blick auf den Ozean. Als Radfahrer bekam ich sogar 10% Rabatt, was den happigen Preis von $ 30 für ein Zelt nicht wirklich groß beeinflusste. Aber dafür konnte ich Wäsche waschen und die Küche des Campingplatzes benutzen. Meine Zeltnachbarn waren sehr freundlich und ließen mich bei einem netten Gespräch an ihrem Lagerfeuer teilhaben.    

mehr lesen 2 Kommentare

Härtetest nach Vancouver

So nah und doch so fern!

 

Auf dem Weg zur Fähre waren nur wenige Autos unterwegs. Es war ja auch Sonntagmorgen. Die Fähre jedoch war restlos voll. Doch ein Fahrrad geht immer.


Als das Schiff sich der Küste näherte, sah ich schon das Unvermeidbare auf mich zukommen. Natürlich landete ich bei Meereshöhe "0" an. Keine 100m hinter der Rampe ging es steil bergauf. Bei einer Buskehre hielt ich, um die Jacke auszuziehen und dabei sah ich die Linie 250 "Vancouver Downtown". Da wollte ich hin. Ich kämpfte mit dem inneren Schweinehund aber der Stolz siegte. Zumal ich ein Schild "Bike Route" und "TCT" sah. Erfreut folgte ich den Hinweisen. Die Bike-Route verlief sich im Straßengewirr und der TCT wurde ein steiler, schmaler Kraxelpfad. Erst versuchte ich das Rad dort hinaufzuwuchten, aber mehr als dass ich mir den Pullover an den dicht beieinander stehenden Bäumen mit Harz vollsaute, erreichte ich nicht. Leute, ich denke der TCT ist auch für Radfahrer und Reiter! Und die Bucht hier heißt auch noch "Horseshoebay". Also musste das Navi wieder ran: 45 km, das ging ja. Die Strecke führt immer an der Küste entlang durch schöne Villenvororte mit gepflegten Gärten und auffallend vielen Autos von drei deutschen Premiummarken. Ich nahm natürlich jede Bucht und Landzunge mit. Dies scheint auch die Hausstrecke der Freizeitrennradler zu sein, denn diese kamen mir in Scharen entgegen oder überholten mich. Die meisten mit einem freundlichem Radlergruß. Immer wieder sah ich am gegenüberliegendem Ufer mein Ziel: die Skyline von Downtown-Vancouver. Aber es wollte einfach nicht näher kommen. Und dann kam es: Serpentinen, steil hoch. Wieder runter. Wieder hoch. Und wieder musste ich aus dem Sattel und weit vorgebeugt diese 160iger-Anstiege angehen. "160iger" nenne ich mittlerweile die Anstiege, die mich zum Puls 160 und mehr bringen. Und was überholte mich im 30-Minuten-Takt? Der 250iger Bus!!! Aber jetzt wollte ich es wissen. Verbissen ignorierte ich jede Haltestelle. Natürlich überholten mich auch die Rennradler und einige reckten dabei anerkennend den Daumen hoch. Einer drehte sich nach mir um, sah wohl das es sich um keinen ganz so jungen Kerl handelte und rief: "Whow, what a man". Das machte stolz, spornte an und ich passierte das Schild "Vancouver". Eine Herausforderung kam noch, ich nenne es mal die "Köhlbrandbrücke" von Vancouver. Doch auch die packte ich ohne absitzen zu müssen und dann flitzte ich überwiegend bergab zum Hostel. Dort die große Überraschung. Ich hatte über das Portal trivago gebucht und dort wurde ein Einzelzimmer der Economy Class aufgeführt. Ich hatte mich schon über den sensationellen Preis von $ 99,- für drei Nächte gefreut. Vor Ort entpuppte sich das dann als ein Bett im 4-Personenzimmer. Das teilte ich mir dann mit einem Chinesen und einem weiteren Deutschen. Ein "Privatroom" hätte noch mehr gekostet als in Victoria. Nämlich $ 300,-. Aber die Erfahrung war ganz witzig, der Chinese war zwar maulfaul aber freundlich und der Deutsche war nie da. Der Chinese reiste dann ab und es kam ein Mexikaner, auch gut - viva Mexico.          

1 Kommentare

Vancouver - die lebenswerte Metrople

Vancouver, das bedeutet Leben am Pazifik mit Blick auf schneebedeckte Berge.

Interessantes Arbeitsumfeld durch die New Economy bei extrem hohem Freizeitwert. Jede Form von Wassersport, Wandern, Skilaufen und nur wenige Kilometer und man ist in der Wildnis. 

Durch die hohe Einwanderung strahlt die Stadt eine internationale Athmosphäre aus.

Das haben nicht viele Metropolen auf der Welt zu bieten.

mehr lesen 1 Kommentare

Vancouver - die arme Metropole

Ich wohne ziemlich zentral, in Hamburg vergleichbar mit St. Georg. Heute ging ich mal zu Fuß in die Innenstadt und war erschrocken über das Ausmaß der Obdachlosen, Bettler und armen Leuten, die hier unterwegs waren oder lagerten. Einzelne Menschen sieht man überall oder auch schon mal eine Ansammlung in bestimmten Gegenden. Hier aber ist es ein kompletter Stadtteil. So eine Vielzahl von armen Menschen, die auf der Straße leben, habe ich noch nie gesehen. Vielleicht hat die Stadt auch irgendwelche Maßnahmen unternommen diese Menschen woanders zu vertreiben, um sie hier zu konzentrieren? Vielleicht aus Gründen der „Aufsicht“? Oder wegen der "Optik"? Natürlich würden sich solche Szenen am Canada Place neben den Kreuzfahrtriesen nicht gut machen.

 

 

Ich laufe ganze Straßenzüge entlang durch „dieses Milieu“, es will nicht enden. Bis auf harmloses Anbetteln werde ich aber in Ruhe gelassen. Das hatte ich vor 11 Jahren nicht gesehen.
Später komme mit einem Herren ins Gespräch und der erzählt mir, das Vancouver an einer, sich immer weiter öffnenden, Schere leidet: die industriellen Arbeitsplätze sind ständig rückläufig, die dabei entstehenden Arbeitslosen finden in der boomenden „New Economy“ keine Arbeit und gleichzeitig wird das Leben in der Stadt immer teurer. Nur noch die Gutverdienenden können sich das Leben hier leisten. Viele müssen abwandern und in andere Provinzen ("Bundesländer") ausweichen. Von der fast 3 Mio. Metropole z.B. in das Yukon Territory mit seinen nur 38000 Einwohnern.Diese Gebiete profitieren, weil in diese Einsamkeit sonst niemand will.

 

Reiches und armes Vancouver.

 

Aus Respekt vor den Menschen verzichtete ich auf das Fotografieren.

 

1 Kommentare

Tschüß Vancouver und Wasserschlacht

Wie auf dem Display des Tripcomputers zu sehen ist, habe ich die ersten 500 km vollgemacht. Wenn ich allerdings auf die Karte sehe, bin ich gerade erst "um die Ecke".

Die Ausschilderung des TCT ist in Vancouver sehr gut und so kam ich fast zügig aus der Stadt heraus. Fast? Nun, manchmal war ich mir nicht sicher, ob ich in San Francisco oder in Vancouver radelte. Es gab wieder ein heftiges Auf und Ab. Bei einer langen Straße konnte ich immer nur die Hügelspitzen sehen. Die Vororte von "Greater Vancouver" zogen sich endlos hin, so dass es schon nachmittags war, als ich endlich die Häuser hinter mir ließ. Und schon passierte es wieder.

mehr lesen 2 Kommentare

Schnee in den Bergen - Landstraße statt Trail

Die nächste Nacht verbrachte ich am schönen Cultus Lake auf einem der staatlichen Camps. Diese Campgrounds haben drei Dinge gemeinsam: sie liegen in wunderschöner Natur, sind sehr spärlich ausgestattet und mit $ 35,- pro Nacht sehr teuer. Da übernachte ich auf einem privaten Platz mit ausreichendem Sanitärkomfort, Waschküche, Strom und Wi-Fi deutlich billiger. Allerdings selten in so schöner Umgebung. Und da ich meistens durch diese schöne Natur schon fahre, werde ich es mir zukünftig überlegen, die "BC-Parks" (British Columbia) zum Übernachten zu benutzen.

Vom Cultus Lake aus suchte ich den Einstieg in den TCT und zum Glück sprach mich ein junger Mountainbikeradler an. Ein ganz kerniger Bursche, der alle Trails der Gegend in und auswendig kennt. Und einer der mitdachte, denn als er von meiner Absicht hörte, über der TCT nach Hope zu fahren, winkte er gleich ab: "Da kommst du auf über 1.000m Höhe und da liegt noch Schnee. No way!!!!!". Dafür bekam ich den Tipp, statt der stark befahrenen Landstraße einen Umweg von 30 km zu machen, um zur anderen Seite des Fraser Rivers zu wechseln. Dort gibt es eine kleine, ruhige Landstraße nach Hope. Gesagt getan. Dazu musste ich aber erst einmal die "Yale Road East" entlang. Ich berichtete schon einmal von fünfstelligen Hausnummern. Auf dieser Straße kam ich, bevor ich zur Brücke abbog, auf über 50.000! Auch ein Indikator für die Größe Kanadas. Das Wetter blieb stabil, ich kam mit leichtem Rückenwind gut voran und versüßte mir den Umweg mit einer Kaffee und Kuchen - Pause. Der homemade "German Apple-Strudel", den ich in einem Dorf entdeckte, schmeckte ausgezeichnet. Unterwegs lernte ich so nebenbei, warum Beethoven die 9. Sinfonie nicht vollendete: er hatte sich den Bauch mit Pizzen vollgeschlagen!!! Gegen Abend schlug das Wetter wieder um, Regenklamotten raus und bei nasser Kälte und tief stehenden Regenwolken erreichte ich das Städtchen Hope. Diesen Namen verband ich mit der Hoffnung auf besseres Wetter. Hope ist ein reiner Touristenort, so dass ich zwischen vielen Campingplätzen auswählen konnte. Ich entschied mich für einen direkt am Fluss, mit schöner Wiese unter Bäumen und allem was ich benötigte, um mein allgemeines Pflegeprogramm absolvieren zu können (Körper, Wäsche, Fahrrad). Das Ganze für den Biker-Preis von $ 15,-.   

mehr lesen 3 Kommentare

Mit Shakespeare auf den Kettle Valley Railroad Trail

Das Wetter ist noch immer durchwachsen, in regelmäßigen Abständen kommen ergiebige Schauer herunter. Daher habe ich meine Pause um einen Tag verlängert und mache Urlaub vom Fahrradurlaub.

Morgen soll es warm werden. Dann starte ich auf einen der Abschnitte des TCT, auf den ich mich hier in British Columbia mit am meisten freue. Es ist der Kettle Valley Railroad Trail. Eine 640 km lange, ehemalige Eisenbahnstrecke, die in den TCT integriert ist. Die Trasse wurde 1910 angelegt und überwiegend "in Handarbeit" bis 1916 gebaut. Sie führt durch, in die Granitberge gesprengte Tunnel, und über die Täler gebaute Holzbrücken und steigt bis auf 1.400 m an. Noch heute gilt sie als ingenieurtechnisches Meisterwerk. Doch der viele Schnee und immer wiederkehrende Erdrutsche erlaubten keinen durchgehenden Eisenbahnverkehr, wodurch die Strecke unrentabel wurde und die Eisenbahngesellchaft schloss sie schließlich 1959. Seit 1998 wurde sie für die touristische Nutzung restauriert und gilt als eine der schönsten Wander- und Fahrradtrails im Westen Kanadas. Der damalige Bauleiter war bekennender Shakespeare-Fan, weshalb es unter anderem Tunnel mit Namen wie Othello und Stationen wie Romeo oder Julia gibt.  

 

Wahrscheinlich melde ich mich mt dieser Ankündigung wieder für ein paar Tage ab. Ich konnte nicht in Erfahrung bringen, ob und wo auf diesem Trailabschnitt eine Internetversorgung existiert. See you later!

4 Kommentare

Abwechselnd über Brücken und durch Tunnel

Bei bestem Wetter verließ ich Hope, der Name hatte gewirkt. Der Trail war schnell gefunden und schon verschluckte mich die Natur. Aber nicht allzu lange, denn die Passage der Othello-Tunnel mit den sich abwechselnden Brücken, ist auch per Auto erreichbar und so waren diverse Fußgänger unterwegs. Wie ungewohnt für mich. 
Und ich kann nur bestätigen, diese Eisenbahnstrecke ist, auch nach heutigen Maßstäben, ein Meisterwerk! Ich will nicht lange darüber schreiben, seht selbst.

mehr lesen 2 Kommentare

Danke!

Ich bedanke mich bei allen für die netten Geburtstagsgrüße und die vielen Mails und die Blogkommentare.

Mittlerweile habe ich so viele follower, dass ich nicht immer auf alles reagieren kann. Meine "Internet-Zeitfenster" sind doch sehr begrenzt.

Aber ich lese und FREUE mich über jeden Beitrag.

0 Kommentare

Das Wasser schickte mich auf die Straße

Irgendwo da oben verläuft der TCT.

 

Nach den Othello-Tunneln verläuft der Trail eine Zeit lang auf einer Fahrradspur entlang der Landstraße. Auf einem Parkplatz frage ich jemanden nach dem Abzweig zum Trail. Derjenige wusste es zwar nicht, aber zum Glück hörte das ein Indianer: "Da kannst du nicht hinauf", meint er. "Da oben gibt es viele "washouts"  (Ausspülungen), die den Trail weggespült haben. Wir hatten zu viel Regen in der letzten Zeit (wem erzählt der Gute das....). Da musst du dein Bike mehr tragen, als dass du fährst. Folge bis Brooksmere der Straße und ab da kannst du den Trail wieder fahren. Das sind nur 30 km, bis du abbiegen musst". Mann, was habe ich für ein Glück!!! Ich bedanke mich herzlich und folge wieder der "Bike-Route" auf der Straße. Doch die Freude hat auch ihre Schattenseite, den diese gut 30 km haben es in sich. Ich musste von 41m auf fast 1.200 m hinauf. Ich fuhr fast nur bergauf.  Das sind, wenn ich in Geometrie aufgepasst habe zwar "nur" 4% Steigung (Wolfgang, als ehemaliger Mathe-Lehrer, was sagst du?), aber die ununterbrochen. Und ausgerechnet jetzt machte das "Überwiegend" eine Pause. Es heißt, das der Wind "überwiegend" von West nach Ost bläst. An diesem Tag kam er mal von vorn und brachte weiter oben eisige Kälte mit. Ich fuhr mal wieder seit Langem mit Jacke (nein, nicht die Regenjacke). Als ich endlich oben war, ging kaum noch was. Ich entdeckte den Abzweig der kleinen Straße nach Brooksmere und hatte nur noch Augen für den Straßenrand. Ich suchte ein paar Quadratmeter für mein Zelt. Und wurde erlöst. So konnte ich mich, von der Straße aus nicht einsehbar, in die Büsche schlagen. Zum Abendbrot gab es nur einige Hände voll Trailmix und ein paar Schlucke aus der Wasserflasche. Dann ab in den Schlafsack. Ich glaube, als der Reißverschluss hochgezogen war schliefen die Füße schon.

mehr lesen 2 Kommentare

Touristische Hochglanzbroschüren versus Wirklichkeit

Überall wird der Trans Canada Trail hochgelobt. Für Wanderer, Radfahrer und Reiter. Jede Motorisierung ist verboten. Doch die Realität ist oft anders.

Nach einer sehr kalten Nacht, zum Glück reicht mein Schlafsack bis minus 10°, fand ich schnell den Trail. Aber mich erwartete eine üble Wellblechpiste mit tiefem Schotter, großen Steinen und Schlaglöchern jeder Größe. Die Jugend der Gegend tobt sich hier mit ihren ATV (All Terrain Vehicle/Quadbikes) aus und hat den Trail nahezu zerstört. Sicher, der Winter leistete auch seinen Beitrag.

Das 25.000 km Trail nicht überall top sein können ist klar. Mir geht es um die Information. Ein "normales Fahrrad von der Stange" hätte ich hier zerlegt. Ein Rad vom Baumarkt oder Discounter wäre nach 20 km Schrott gewesen.

Ich gebe zu, mit so einem Rad fährt niemand diese Tour. Aber in dieser Einsamkeit kalkuliert der Trailnutzer Ernährung und vor allem seinen Wasservorrat. Wasser ist schwer und man nimmt davon nicht unnötig zu viel mit. Doch wenn man wegen der Trailbeschaffenheit zwei Tage länger unterwegs ist als kalkuliert, kann es schon ein Problem geben. Ich habe eine Handpumpe mir Filter dabei und konnte mich im Gebirgsbach "bedienen."

Ich kam nur mit 8 km in der Stunde voran und mußte höllisch aufpassen. Trotz der breiten Reifen rutschte das Vorderrad immer wieder weg und als ich mal kurz nicht aufpasste, lagen das Rad und ich im Staub. Der erste Sturz der Tour verlief glimpflich. Dann kamen noch einige, zum Glück nicht sehr tiefe, "washouts" dazu. Ich hatte mich zwar nicht hineingesetzt, aber das Wasser war "arschkalt". Über Füßewaschen musste ich mir heute keine Gedanken machen. In Sandalen schob ich, teilweise Hunderte von Metern, das Rad durch, bis an die Radnaben reichendes Wasser.

Eigentlich wollte ich heute noch zum nächsten Ort auf einen Campingplatz. Aber als die Dämmerung einsetzte, brach ich ab und zeltete wieder am Rand des Trails. Wegen der Bären machte ich das Abendbrot 100m vom Zelt entfernt. Und da ich keinen Baum zum Hochhängen der Lebensmitteltasche fand, stellte ich das Rad mitsamt der Packtasche weit vom Zelt entfernt ab. Besser eine zerfetzte Packtasche und nichts zu essen, als ein zerfetztes Zelt und........

mehr lesen 7 Kommentare

Faulenzen in Princeton

Auf dem Trail ging es anfangs so weiter, wie der gestrige Tag aufhörte. Doch auch das ging zu Ende und der Trail versöhnte sich mit mir. Ich durchfuhr eine schöne Schlucht, immer entlang dem Tulameen River und überwiegend durch schattigen Wald. Auch der Weg selbst war hier gut zu befahren. Und was für eine Wohltat, die letzten Kilometer vor dem Städtchen Princeton hat die Gemeinde sogar Asphalt spendiert. Das Rad flog fast geräuschlos über den Weg. Ich checkte für zwei Nächte auf dem Campingplatz River`s Edge ein. Der liegt sehr schön direkt am rauschenden Tulameen River. Für gleichmäßige, angenehme Geräuschkulisse war somit gesorgt. Für die Zelter gibt es eine schöne Wiese und ich konnte das Zelt im Schatten unter Bäumen aufstellen. Prima Dusche, alles sehr sauber, gutes Wasser und der Ort war noch nicht einmal zwei Kilometer entfernt. Camperherz was willst du mehr?

Ich legte einen schönen Faulenzertag ein und erledigte nebenbei meine "Campingplatzaufgaben": Fahrrad durchchecken, Wäsche waschen und Körperpflege.

 

So ist er Trail mit am schönsten.

 

 

mehr lesen 2 Kommentare

Bin ich denn in Tirol?

Da für heute 35° angesagt waren, stand ich um 5 Uhr auf, um möglichst viel in der morgendlichen Frische fahren zu können. So war ich um 7 Uhr schon auf dem Trail. Ich wusste, dass ich von 630 auf fast 1.200m hoch musste. Auf dem Trail sind Gefälle und Steigungen immer zwischen 2,2 bis 2,9 %. Mehr schafften die Züge nicht. Ich dachte mir, was früher die Dampfloks schafften, kann ich als altes Schlachtross auch. Und so war es auch. Mit gleichmäßigem Tritt, die Beine arbeiteten wie eine Singer Nähmaschine, pedalierte ich die Steigung hoch. Nach einer Stunde war ich bereits auf 860m, als ob da oben Helene Fischer im Bikini ein Lied für mich trällern würde. Oben angelangt hatte ich die schönste Almlandschaft um mich herum. Fast wie in Tirol. Weite, hügelige Wiesen, ab und zu von Wald unterbrochen und am Horizont schneebedeckte Berge. Was für ein Genuss! Dies war einer der schönsten Abschnitte, den ich bisher auf dem Trail hatte. Ich sog die Landschaft regelrecht in mich hinein. Es war einfach nur schön.

Auf halber Strecke war das dann leider vorbei. In Abständen von wenigen Kilometern kam die erste ATV-Zufahrt, dann die zweite, die dritte und der Trail war wieder kaum befahrbar. Dazu kam noch der Abschnitt um von 900 auf 1.200m zu klettern und das Thermometer zeigte fast 38° im Schatten. Eigentlich hatte ich ja geplant, früh viel Strecke zu schaffen, um in der Mittagshitze im Schatten Pause zu machen. Aber hier oben gab es keinen Schatten. Hätte hier ein Zweig einen kleinen Flecken Schatten gespendet, ich hätte mich darunter zusammengerollt. So blieb mir nichts anderes übrig, als mich mit Lichtschutzfaktor 60 einzucremen, lange Hose und langärmliges Hemd hatte ich ohnehin schon an, und mich da hoch zu schinden. Die Trailbeschaffenheit wurde immer schlimmer und ich wurde zum Wanderer mit Fahrrad. Da an meinem Ziel das Örtchen Bankier, sowohl ein Campingplatz als auch ein Lädchen in der Trailkarte verzeichnet sind, trank ich alle meine Wasservorräte aus. Leute ich sage euch, beim Campingplatz angekommen, fiel ich fast vom Rad. Und was stellte sich heraus? Hier gab es weder ein Geschäft noch eine Tankstelle und der Campingplatz bestand aus einigen Stellplätzen mit Picknicktisch und einem stinkenden Plumpsklo. Da guckte ich nun mit trockener Kehle und leeren Wasserflaschen auf den See und konnte trotzdem nicht trinken. Weil in Kanada viele Seen und Flüsse mit dem Geradia-Parasiten kontaminiert sind, sollte man vom Trinken absehen. Dafür habe ich meine Handpumpe mit einem speziellen Filter mit und kann mir mein Trinkwasser selbst "herstellen". So stand ich nach Wasser lechzend bis zu den Knien im See und pumpte und pumpte - doch die Pumpe spukte einfach kein Wasser aus.

Wenn die Not am größten ist, naht Hilfe. Am Picknicktisch zerlegte ich gerade die Pumpe, als zwei Radler, Tom und Christian aus Berlin ankamen. Auch ohne Wasser. Auch sehr durstig. Tom ist von Beruf Spezialist für Wasseraufbereitung und hatte die Pumpe nur wenige Minuten in den Händen und wir hatten Trinkwasser. Ein Rückschlagsventil saß nicht richtig. Deshalb lief das Wasser wieder in den See, statt in den Wassersack.

Wir tauschten uns noch über unsere Erfahrungen aus, die beiden fuhren von Ost nach West und zogen uns früh in die Zelte zurück.

 

mehr lesen 3 Kommentare

Zur Obstschüssel von Kanada

Heute hatten das Herz und die Beine fast Urlaub. Der Trail war überwiegend gut zu befahren und es geht hinunter zum Okanagan Lake auf nur noch 650 m. Ich konnte manchmal mehrere Kilometer fahren, ohne eine einzige Pedalbewegung. Was für ein Radlerleben! Zumal das Thermometer wieder 32° anzeigte. Jedoch kühlt der Fahrtwind etwas ab. Ein weiterer Vorteil höherer Geschwindigkeit.

Die Gegend am Okanagan Lake ist bekannt für ihr mildes Klima im Winter und heiße Sommer. Hier werden Obst und Wein angebaut, unter anderem gibt es ausgedehnte Pfirsichplantagen. Folgerichtig nennt sich der Nachbarort von Summerland, meinem heutigen Ziel, Peachland. Ich bin aber noch immer in Kanada - nicht in Südeuropa.

Und das gesamte Gebiet um den See herum ist auch eine Touristenhochburg. So konnte ich die Vorteile genießen, dass am Trail regelemäßig Picknicktische standen. Bevor ich Summerland erreichte, meldete sich der Magen und ich legte eine längere Lunch-Pause ein. Zumal hinter den Büschen ein erfrischender Gebirgsbach plätscherte.

Es gab Spiegeleier an Brötchen, dazu wurden Minimöhrchen aus dem Frischhaltebeutel gereicht und zum Dessert zwei Kirschtaschen mit Cappuccino aus dem Nescafe-Tütchen. Durch die Enge in der Packtasche klebten die beiden Gebäckstücke zusammen und ich musste NOTGEDRUNGEN beide essen. Wäre eine Grizzly-Dame gekommen, hätte ich natürlich geteilt. Aber die Grizzlies sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Apropos Brötchen: die Brötchen hier oder Bagel (Brötchenringe/-Donuts) und das Brot sind ein und dasselbe. Der Unterschied liegt nur in der Form. Und es schmeckt alles gleich. Hellbraun oder dunkelbraun (Whole Weat – das soll Vollkorn sein). Krosch kennen die Bäcker hier nicht. Drückt man das Brötchen platt, hat es ganz von allein nach 5 Sekunden wieder seine runde Form. Konsistenz und Geschmack sind nach drei Tagen wie am erstenTag. Dafür ist der „Ingredients-Zettel“ so lang wie die Tüte. Hier arbeiten Bäcker und Chemiker zusammen. In der modernen Wirtschaft nennt man das "crossover". Vorteil: ich kann machen was ich will, ich habe für mehrere Tage Brot dabei.  

Dermaßen gedopt erreichte ich Summerland und machte nebenbei die ersten 1.000 km voll. Der Name war Programm, denn es war abends noch immer 29° warm. Die Radler vom Osprey Lake hatten mir den Campingplatz der "Dickons Family Farm" empfohlen, den ich auch sofort fand. Wie man auf dem Foto sehen kann, schlafe ch mal nicht unter Sternen, sondern unter Kirschen. Die Farm baut hier natürlich Obst an und der Campingplatz ist mitten in der Plantage. Schade das die Kirschen noch nicht reif sind. Ich könnte vom Zelt aus naschen.

 

   

mehr lesen 3 Kommentare

Namenswettbewerb

Lieber Follower, ich freue mich über die mittlerweile rege Beteiligung an meinem Blog und begrüße alle neu dazugekommenen. Ehemalige Nachbarn ausdrücklich eingeschlossen ;-).

Mein Fahrrad und ich sind mittlerweile zu einem Team geworden. Leider ist mir bisher kein gescheiter Name für das Rad eingefallen. Bis auf "Iddy" fiel mir nichts Besseres ein. Es ist an der Zeit, dass der stählerne Kamerad einen ordentlichen Namen bekommt.  Also starte ich hiermit einen Namenswettbewerb. Nun liebe Leute, jetzt seit ihr dran. Im Sessel zurückgelehnt, auf den hochgelegten Beinen das Tablet und meine Plackerei genießen…..so nicht liebe Freundinnen und Freunde. Jetzt wird mitgemacht. Gewertet werden nur Beiträge aus dem Blog, damit ihr seht, wie kreativ die Kanadagemeinde ist.

Ein paar Tipps:

 

Hersteller. Idworx (it works), Modell: oPinion (Pinion=Hersteller der Tretlagerschaltung), Farbe: schwarz, bis auf einen E-Motor ist das Rad "hightech".

Ich habe noch 5000 km Zeit, mir eine Belohnung einfallen zu lassen. Privater Reisevortrag mit Fotovorführung oder ähnliches. 

Lasst euch gefälligst etwas einfallen ;-). Ich bin fürs Treten zuständig!

 

 

5 Kommentare

Ergänzung zum Namenswettbewerb

Hallo,

da wahrscheinlich nicht alle meine Antworten zu den Kommentaren lesen, hier eine Ergänzung zum Namenswettbewerb:

 

DER Drahtesel, also männlich. Das hilft vielleicht.

Viel Spaß beim Denken! 

0 Kommentare

Sonne, Regen, Sand und Steine

Der schöne, leider verregnete Okanagan Lake.

 

Von Summerland aus fuhr ich 15 km rasant bergab nach Penticton. Dort angekommen fing es an zu regnen. Schade, hier wollte ich ein bisschen Sightseeing machen. So erledigte ich nur ein paar Einkäufen und war auch bei "Rogers", meinem Telefon- und Internetprovider, und verlängerte meinen Vertrag um drei Monate.

Danach radelte ich durch Obstplantagen und Weinberge. Ich hatte bis zu meinem heutigen Ziel, dem Campingplatz Chute Lake, 50 km vor mir. Allerdings startete ich in Penticton bei 300 m Höhe und der Chute Lake liegt auf 1.200 m. Es hörte dann auf zu regnen, aber der Ausblick auf den See war leider sehr diesig. Zuerst ließ sich der Trail sehr gut befahren, dann weniger gut und dann gar nicht mehr. Er bestand nur noch aus tiefem Sand und zum Teil scharfkantigen Steinen. Bei letzteren fürchtete ich um meine Reifen, war ich doch bisher ohne Platten unterwegs. Um es kurz zu machen, ich kam ab Penticton nur 35 km voran und davon schob ich 11 km. Es war eine einzige Quälerei und als ich einen schönen Flecken zum Campieren sah, beendete ich den Radeltag. Zur teilweisen Versöhnung mit dem Trail, kam zum Abend die Sonne wieder zurück. Es gab ein feudales Abendessen, ich las noch ein wenig und dann fielen mir die Augen zu.       

mehr lesen 1 Kommentare

Durch den Myra Canyon auf dem Weg nach Midway

Der Myra Canyon

 

Heute hatte ich gleich drei Highlights. Kaum war ich früh gestartet, lief ungefähr 50 m vor mir ein Grizzly auf den Trail. In dem Moment, als er mich entdeckte, verschwand er schon wieder. Hätte er sich aufgerichtet, wäre er kaum größer als 1,60 m gewesen. Also noch ein Teenager. Der Chute Lake, mein gestriges Ziel, war heute Morgen schnell erreicht. Dort wartete eine leckere Überraschung auf mich. In der Trailkarte ist hier ein Verpflegungssymbol eingetragen. In diesem Fall war es homemade Apple Pie mit Eiscreme. Daran konnte ich natürlich nicht vorbeifahren. Trinkwasser gab es hier allerdings nicht, es wurde alles abgekocht, und so filterte ich mir Wasser aus dem See.

Noch früh genug erreichte ich den berühmten Myra Canyon. Der ist von beiden Seiten mit dem Auto zu erreichen, sodass ich mich auf großen Menschenandrang einzustellen hatte. Aber bis auf vereinzelte Mountainbiker hatte ich die vielen Brücken und Tunnel noch für mich.

Leider brannte es hier in den letzten Jahren, sodass viele Bäume nur noch als verkohlte "Stangen" gen Himmel ragen. Auch einige der Brücken waren zerstört. Sie wurden liebevoll, originalgetreu wieder aufgebaut. Zum Glück ist dieser Abschnitt des Trails nun wirklich nicht "motorisiert", was den Genuss erheblich steigerte. Einen letzten Blick auf den tief unten liegenden Okanagan Lake erheischend, erreichte ich das Ende des Canyon. Nicht zu spät, denn der Parkplatz dort füllte sich zusehens mit Tagesausflüglern aus aller Herren Länder. Die Mittagshitze überbrückte ich dann an einem einsamen See im Schatten eines Holzpavillions. Unter dem Dach hatte sich ein Vogelpärchen eingenistet und fleißig die Kleinen gefüttert. Sie ließen sich durch mich nicht stören. Der nächste Ort mit Campingplatz war an diesem Tage nicht mehr zu erreichen und ich campte wieder in freier Wildbahn.

 

 

 

 

 

 

 

 

mehr lesen 4 Kommentare

Erster Rückblick - die Kanadier

Ich bin jetzt seit fünf Wochen in Kanada und gut vier Wochen auf dem Trans Canada Trail. Die ersten 1.500 km sind gefahren. Zeit meine ersten Eindrücke zu schildern.

 

Ich beginne mit den Menschen. Die Kanadier sind sehr freundlich und aufgeschlossen. Ich werde oft angesprochen und meine Tour wird begeistert kommentiert. Und es ist deutlich, die Menschen freuen sich aufrichtig für mich. Ein bisschen Stolz spielt auch eine Rolle, dass ich mir ihr Land für so eine Reise aussuchte. Der Patriotismus ist hier nicht so ausgeprägt wie in den USA, aber doch intensiver als in Deutschland. Vielen fällt wohlwollend auf, dass ich eine kleine kanadische Flagge am Lenker befestigt habe. Die Hilfsbereitschaft bei Fragen ist groß, allerdings sind die Auskünfte mit Vorsicht zu behandeln. Ich machte die Erfahrung, dass Frauen eher die nächsten paar hundert Meter beschreiben, Männer denken mehr in Kilometern. Da gab es so manches Missverständnis und ich stelle jetzt ganz präzise Fragen oder hake mit konkreten Zahlen nach: Die wievielte Straße links oder nach 5 km abbiegen? Die Autofahrer sind überwiegend höflich und zuvorkommend. Für einen Radfahrer verzichten sie gerne auf ihre Vorfahrt. Einige rauschen auch schon mal mit wenig Abstand an mir vorbei. Aber ich bin ja nicht so viel auf Straßen unterwegs.
Man merkt deutlich, dass man hier mehr „outdoororientiert“ ist als wir Deutschen. Die Natur spielt hier für die Freizeit eine ganz andere Rolle. Am Wochenende ist man gerne draußen in der Natur. Wandern, Rad fahren, Angeln oder der Bootsausflug auf einem der vielen Seen ist den Kanadiern wirklich wichtig. Freitags oder samstags ist auf Campingplätzen früheres Anreisen angesagt. Ich musste schon so manches Mal weiterfahren, weil alles belegt war.           

 

0 Kommentare

Das Ende der Eisenbahntrassen

Nachtlager auf dem Trail

 

In Midway endet der Kettle Valley Rail Trail und der Columbia Western Rail Trail beginnt, der mich auf 165 km nach Castlegar geführt hat. Bis darauf, dass es damals eine andere Eisenbahngesellschaft war, änderte sich für mich nichts. Es war wieder abwechselnd angenehm zu fahren und extrem hart für mich und das Rad. Aber auch hier wurde ich mit eindrucksvoller Landschaft entschädigt. So mancher Blick und auch Begegnungen mit netten Menschen ließen mich die Anstrengungen der letzten Stunden vergessen. Bergauf spielt das Gewicht eine besonders (ge)wichtige Rolle und ich überlege vor jeder Abfahrt, was ich an Wasser und Nahrung benötige. Auf einem Landstraßenabschnitt fuhr ich spaßeshalber auf eine LKW-Waage (davon gibt es hier viele, die LKWs müssen sich wiegen lassen) und die zeigte doch tatsächlich genau 150 kg an. Die gilt es also die Berge, auch bei Schotter und Sand, hochzuwuchten. Auf einem Abschnitt existierte eine in der Karte eingetragene Wasserstelle nicht (mehr) und ich hatte kaum noch Wasser. In totaler Einsamkeit entdeckte ich, ein paar Hundert Meter vom Trail entfernt, ein Blockhaus. Ich machte mich bemerkbar und bat um Wasser. Eine alte Dame, die dort ganz alleine lebt, ließ mich, ohne zu zögern in ihr Haus und ich konnte meine Flaschen auffüllen. Später kam ich noch an einen Bach, der zu meinem Badezimmer wurde, aber das konnte ich noch nicht wissen. In der Wildnis funktioniert noch das Gesetz, dass jeder jedem hilft.

Mit zwei Zwischenübernachtungen kam ich am dritten Tag abends in Castlegar an und checkte bei noch immer 32 Grad ein. Hier werde ich drei Nächte bleiben in der Hoffnung, dass die Hitzewelle etwas nachlässt. Denn ab hier kenne ich die Trailbedingungen nicht. Jetzt gibt es keine "sanft" ansteigenden Eisenbahntrassen mehr und ich nähere mich den Rocky Mountains. Bisher war ich für kanadische Verhältnisse eher im Harz unterwegs. Nun kommen die Hochalpen plus 1.000 m. Für die nächsten Tage sind 37-38 Grad Hitze angekündigt. Eine Hitzewelle hat diesen Teil Kanadas fest im Griff und der Wind gleicht mehr einem Föhn, als einer Erischung.

 

   

 

 

 

 

 

   

 

 

 

.   

 

mehr lesen 3 Kommentare

Ich bin wieder da und Nachtrag zu meinen Gastgebern

Anni und Jim. Meine Gastgeber in Wycliffe (und Loki musste mit aufs Foto).

 

Mangels Internet war ich ein bisschen abwesend und hole jetzt ein paar Tage auf.

Aber zuerst will ich noch einige Beispiele der wunderbaren Gastfreundschaft der Kanadier schildern, die ich erleben durfte.

 

Ich erzählte bereits von dem Farmer, bei dem ich nur 4 Eier kaufen wollte. In den Geschäften bekommt man fast nur 12er-Packungen. So auch bei ihm. "12 Eier - 3 Dollar" stand an der Einfahrt zur Farm. In meiner Eierbox waren noch zwei Supermarkteier und so brauchte ich nur vier Stück.Der Farmer war gleich einverstanden und verschwand mit meiner Box im Hühnerstall. Mit der Bemerkung, dies sei sein Beitrag zu meiner Reise, lehnte er eine Bezahlung ab. Als ich später die Eierbox öffnete, sah ich, dass er die zwei (alten) Eier gegen seine frischen austauschte. So schenkte er mir "heimlich" sechs superfrische Eier.

 

In Castlegar auf dem Campingplatz campten mir gegenüber Großeltern mit ihrem Enkelsohn. Opa und der Junge waren angeln und hatten zwei prächtige Exemplare aus dem Fluss geholt. Spontan wurde ich zum Abendessen eingeladen. Andere Nachbarn kamen auch noch dazu. Sie brachten noch Salate und gebratenes Hühnchen mit und ich wurde ordentlich durchgefüttert. Man bestand darauf, dass ich "richtig reinhaute", denn schließlich brauchte ich Power für die Tour.

 

Meinen bisher (und hoffentlich zukünftig) härtesten Trailabschnitt hatte ich auf dem Gray Creek Pass. Ich berichte später davon. Es war bereits früher Abend, als mich auf dem Trail ein großer Four-Wheeler langsam überholte. Ich wurde sofort gefragt, ob ich Wasser bräuchte. Die beiden stellten sich mit Anni und Jim vor und sie waren sehr begeistert von meiner Reise und das ich diesen Pass bewältigt hatte. Ich bekam einen guten Tipp für einen Übernachtungsplatz in 10 km Entfernung und eine Einladung zu sich nach Hause.  "Morgen Abend gibt es Elchsteak. Wenn du kommst und niemand ist zu Hause, baue dein Zelt im Garten auf". Am nächsten Nachmittag war ich da und wurde zwei Tage sehr verwöhnt. Sie meinten, ich müsse mich von der Strapaze der Passquerung erholen. Es gab nicht nur leckeres Essen, ein eigenes Bad mit Waschmaschine, wir hatten auch viele nette Gespräche. Da beide nicht immer da waren, überließen sie mir ganz selbstverständlich ihr Heim. Das ist kanadische Gastfreundschaft!

 

 

mehr lesen 3 Kommentare

Erstes Resümee - ich bin angekommen.

Nach sechs Wochen und 1.800 Fahrradkilometern ist es an der Zeit für ein weiters Resümee.  Wie geht es mir in diesem Land und vor allem, wie lebt es sich im „Draußen“?

 

Um es zusammenzufassen, ich bin hier angekommen.


Von den aufgeschlossenen Menschen und deren großen Hilfsbereitschaft berichtete ich bereits.
Ich selbst brauchte natürlich eine Weile, um mich an dieses gänzlich andere Leben zu gewöhnen. Seit Vancouver schlafe ich (bis auf die zwei Nächte bei Anni und Jim) nur draußen. Am Tage gar nicht und nachts nur durch einen Millimeter Zeltstoff von der Außenwelt getrennt. Und diese Welt ist ganz anders als in Europa. Ich schreibe bewusst Europa, denn deutsche Maßstäbe sind hier in jeder Hinsicht unangebracht. Deutschland passt in Kanada 28 Mal hinein und hat nur 35 Millionen Einwohner. Und von denen leben fast 20 Millionen in den großen Städten, die sich überwiegend im südlichen Teil des Landes, nicht weit zur Grenze der USA befinden. Der „Rest“ des Landes ist, gemessen an unserer Bevölkerungsdichte, also nahezu menschenleer. Übertrage ich meine bisher gefahrenen Kilometer auf europäische Straßen, bin ich gerade in Barcelona angekommen. Aber das sind „nur“ Zahlen zur Orientierung. Was bedeutet dies für mein tägliches Leben?
Nun, ich habe hier ganz andere Kriterien, die mein Leben bestimmen und die wichtig, zum Teil überlebensnotwendig, sind.
Ich trage keine Uhr. Die brauche ich nicht. Die Zeit ist völlig unwichtig. Wann geht die Sonne auf, wann unter, ab wann wird es heiß, wann kühlt es wieder ab? Das sind meine „zeitlichen Kriterien“. Meine Lebenskriterien sind: Wo gibt es Wasser, Lebensmittel und wo habe ich ein Kommunikationsnetz zur Verfügung, sprich Kontakt zur Außenwelt? Dazu kommen Themen wie Entfernungen und Steigungen, Trailzustände und Bärenaktivitäten. Und zurzeit leider noch das Thema Waldbrände. Ich war schon tagelang fast nur im Wald unterwegs. Da sind Windrichtung, Orts- oder Straßennähe und die Entfernungen zu Flüssen und Seen wichtig für mich.

 

Anfangs hat mich diese gewaltige Natur eingeschüchtert. Ich hatte nie Angst. Aber das Gefühl, jederzeit auf alles gefasst sein zu müssen, hat mich schon beeinflusst. Und das Wissen, das ich meistens auf mich alleine eingestellt sein muss, war auch ungewohnt. Ich dachte viel zu europäisch und deutsch: Vorhandene Infrastruktur und überall gibt es irgendeine Behörde oder Einrichtung, die zuständig ist und organisiert oder regelt. Was habe ich auf den ersten 500 km geschimpft, wenn auf einem Trail etwas anders war, als auf der Karte verzeichnet oder Informationen in der Realität nicht stimmten. Mittlerweile lernte ich, dass Kanada und vor allem seine Natur nicht organisierbar sind. Die Dimensionen und Naturgewalten erzeugen eine tägliche, teilweise stündliche Unberechenbarkeit. Und die jeweils dazu gehörige Einwohnerzahl rechtfertigen auch keine Organisation. Um beispielsweise 100 km eines Trails für deren 2-4 Nutzer am Tag tagesaktuell zu halten, bräuchte man mehr Menschen, als in der Nähe des Trails überhaupt leben. Und selbst wenn der Trail vormittags noch kontrolliert wurde und gut war, kann ein kurzes Gewitter Wassermassen erzeugen, die einen Teil des Trails am Nachmittag unpassierbar machen.
In diesem Land gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: Wer sich in die Natur begibt, muss auf sich selbst eingestellt sein! Dies kann man an einer winzigen Kleinigkeit ablesen. Ich vermisste Papierkörbe an den Trails. Selbst am Beginn und am Ende gibt es keine. Hier gilt überall der Spruch: „Take in, take out“. Was du mitbringst, musst du wieder mit herausnehmen. Hier ist niemand dafür zuständig, dein Bonbonpapier zu entsorgen. Das musst du schon selbst machen.

 

Inzwischen ist meine anfängliche Einschüchterung dem Gefühl einer fast grenzenlosen Freiheit gewichen. Mit dem Rad durch die extreme Weite der Natur zu fahren, unter mir der Trail und das gleichmäßige Knirschen der Reifen auf den Steinen in den Ohren, links und rechts Wald und über mir das Blau des Himmels, ist wie Meditation. Ich hänge irgendwelchen Gedanken nach oder denke auch gar nicht. Ich vermisse kein Fernsehen und Radio und meine Musik sind die Geräusche der Natur. Vor dem Einschlafen lese ich ein wenig im EBook. Es sei denn, es war so anstrengend, dass der Kopf schon schläft, wenn der zweite Fuß in den Schlafsack schlüpft.
Habe ich mal drei Tage lang keinen Menschen gesehen, freue ich mich über die erste Begegnung und das Gespräch. Nach zwei Tagen auf einem Campingplatz freue ich mich, wieder unterwegs zu sein.

 

An die permanente Gefahr durch Bären habe ich mich gewöhnt und die Regeln für uns Menschen sind in meine tägliche Routine übergegangen. Es ist immer schwierig eine Übernachtungsstelle zu finden, die alle „Bärenkriterien“ erfüllt. Besonders das „3 Meter in die Luft hängen“ der Lebensmittel ist meistens nicht möglich. Dann lasse ich diese Packtasche am Rad und stelle dies mindestens 100 m entfernt vom Zelt ab. Lieber eine zerrissene Packtasche, als ein kaputtes Zelt, in dem ich lag. Die Bevölkerung warnt mich immer wieder vor den Cougars (Puma oder Berglöwen). Die Behörden konzentrieren sich auf Bären. Entweder verschlafen die das Thema Puma oder die Menschen dramatisieren. Bisher machte ich die Erfahrung, dass die Tiere sich zurückziehen, wenn du sie rechtszeitig wissen lässt, dass du gerade zu Gast bist. In der Wildnis trage ich trotzdem immer das Bärenspray im Holster „am Mann“. 
Und die Sicherheit vor den Menschen? Auch die ist nicht 100%ig. Die Art, die ich reise, bedingt ein Grundvertrauen in die Gesellschaft und mein Glück. Ich kann mich nicht, und mittlerweile will ich das auch nicht mehr, vor allem schützen. Anfangs fuhr ich wieder weg, wenn ich das Rad nicht anschließen konnte. Wenn es aber auf 100 km nur dieses eine Geschäft gibt, muss das Abschließen ausreichen. Und ich kann auch nicht alle Packtaschen abnehmen und mit hineinschleppen, nur weil ich mich nach etwas erkundigen will oder meine Wasserflaschen auffüllen muss.

 

Ich habe gelernt, mich auf mein Lebensglück zu verlassen. Auch das ist bereits eine schöne Erfahrung dieser Reise.     

 

                                                                                                            

 

mehr lesen 3 Kommentare

Aufgeben? Wer schafft wen? Der Trail mich oder ich ihn?

Der Kootenay Lake von der Fähre aus.

Geht es jetzt richtig los? In diese Berge muss ich.

 

Von Castlegar bis zum Kootenay Lake musste ich auf dem Highway (der hier eine kleine Landstraße ist) fahren. Hier ist Feriengebiet und für hiesige Verhältnisse eine enge Besiedelung. Die Grundstücke entlang dem, zum Teil seebreiten, Kootenay River sind meistens im Privatbesitz und mit schönen Häusern inclusive Bootssteg bebaut. So ist es wohl schwierig, hier einen Trail zu realisieren. Der Vorteil war, dass ich abends noch bei der Fähre ankam, denn um den Kootenay Lake führt keine Straße herum.

 

Beim Blick von der Fähre überkamen mich gleich zwei Gefühle: Zum einen der schöne Blick, zum anderen die Höhe der Berge. Ich wusste, dass ich dort irgendwie durch musste. Nicht weit von der Fähre entfernt, fand ich am anderen Ufer einen schön gelegenen, gepflegten Campingplatz.

 

 

Am nächsten Morgen war ich früh unterwegs und erreichte nach kurzer Zeit den Abzweig zum TCT, der hier dem Gray Creek Pass folgt. Fürsorglich steht hier ein Schild mit Hinweisen auf Wasser- und Lebensmittelvorräten, das Radfahrer Ersatzteile dabei haben sollten und das es keine Kommunikationsmöglichkeiten gibt. Und das es erst 25 km hoch auf 2.080 m geht und dann 27 km wieder bergab. Die Passstraße beginnt als gepflegte Schotterpiste. Ich hielt vorsichtshalber zwei Autos an, um mich nach der Befahrbarkeit zu erkundigen. „Na klar“, waren die Antworten. Nach fünf Kilometern bog die Piste ab und ein Trail, als TCT ausgeschildert, begann. Und dann ging es schon los. Steil berghoch und je höher ich kam, desto schlechter wurde der Trail. Mittlerweile brannte die Sonne erbarmungslos auf mich herunter. Dann das Schild 16% Steigung. Ich musste im 1. Gang aus dem Sattel und im Stehen fahren. Aber das funktionierte nur wenige Meter, denn auf dem losen Geröll drehte das Hinterrad durch. Also war Schieben angesagt. 16% Steigung auf losem Geröll bedeutet, das Rad schräg hochzustemmen, was wiederum zur Folge hatte, dass ich permanent mit den Füßen wegrutschte. Nach einem Kilometer dieser Qual hielt ich an und sah auf die Straßenkarte und „befragte“ das GPS. Ergebnis: Würde ich umkehren, müsste ich einen Umweg von 250 km auf Highways in Kauf fahren. Der Trailabschnitt hier war nur 60 km lang. Ich entschied weiter zu machen und fuhr und schob abwechselnd. Länger als einen Kilometer konnte ich nie fahren, dann war ich zu erschöpft. Nach einigen Kilometern hatte ich einen Rhythmus von 500 m fahren und 500 m schieben. Irgendwann konnte ich nicht mehr und dachte ans Aufgeben. Der TCT hatte mich geschafft! Im Schatten ruhte ich mich aus, aß gleich zwei Powerriegel und trank kühlen Tee aus der Thermosflasche. Und ich rechnete: Wieder zurück, wann bin ich unten, wo würde der nächste Campingplatz sein, usw. Ich kam wieder etwas zu Kräften und das ungute Gefühl eines angeknacksten Stolzes einer Aufgabe, ließ mich weitermachen. Doch schon nach wenigen Kilometern waren die Zweifel wieder da. Es war frustrierend auf dem Tripcomputer zu sehen, dass ich nur noch im Meter- statt Kilometerbereich unterwegs war. Mittlerweile hatte ich eine Höhe erreicht, dass es wenigstens kühler war. Die Gedanken ans Aufgeben kamen mit dem Nachlassen meiner Kräfte in immer kürzeren Abständen. Ich hatte aber bereits 18 km geschafft. Ein Umkehren wäre ein Verrat an meiner bisherigen Leistung gewesen. Sollte das alles umsonst gewesen sein? Ich entschied nein! Und quälte mich 500 meterweise die restlichen 7 km bis zur Passhöhe. Das GPS zeigte 2.073 m an. Mit zitternden Armen und Beinen stellte ich mich auf den Schnee. Ich hatte den TCT besiegt und nicht er mich. Dann stellte ich fest, dass ich fror. Hier oben wehte ein kalter Wind. Seit Langem öffnete ich mal wieder die Packtasche für warme Kleidung und kochte im Pullover einen heißen Kaffee und verputze das Gebäck für zwei Tage. Bergab brauchte ich nur auf dem Rad zu sitzen und zu bremsen. Die Abfahrt hatte aber auch nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8 km/h, da der Trail einfach zu schlecht beschaffen war. Bei höherer Geschwindigkeit, hätte ich das Rad kaputtgemacht und wäre mehrfach gestürzt. Mein Schatten wurde immer länger, die Dämmerung setzte ein und ich war vom Ziel des St. Mary Lake und dem dortigen Campingplatz noch immer über 20 km entfernt. An einer etwas breiteren Stelle mit ein wenig Gras überlegte ich gerade, wie ich hier das Zelt aufstellen könnte, als ein großer Allradwagen vom Pass herunterkam. Der Wagen stoppte und mir wurde freundlich Wasser angeboten. Die beiden stellten sich mit Anni und Jim vor und waren sehr angetan, dass ich den Pass geschafft hatte. „Wir wohnen in Wycliffe nur einen Kilometer vom TCT entfernt. Komm morgen vorbei, du kannst im Garten zelten, hast eine Dusche und zum Dinner gibt es Hirschsteak. Du brauchst eine Erholung.“ Unter „Ich bin wieder da und Nachtrag zu meinen Gastgebern„ kann mein Besuch bei Anni und Jim nachgelesen werden. „Wenn du noch Kraft für 10 km hast, fahre zur Brücke. Gleich rechts hinter der Brücke, direkt am River ist eine schönere Campingstelle als hier“.        
Die 10 km schaffte ich auch noch. Zum Abendessenmachen hatte ich keine Energie mehr. Eine Banane und ein paar Hände voll mit Trail Mix mussten reichen. Ich zog mich aus und wusch mich gründlich im Fluss. Ich war wieder dermaßen eingestaubt, so konnte ich nicht in den Schlafsack kriechen. Bevor ich dies machte, schoss ich noch ein „nächtliches Vollmondfoto“, denn es war bereits dunkel.   

Später erfuhr ich, dass der Gray Creek Pass erst am 1. Juli geöffnet wurde.

 

             

 

 

 

 

 

 

 

mehr lesen 4 Kommentare

Fort Steele - eine Museumsstadt

Das historische Fort Steele

 

Am Morgen nach der Passquerung schlief ich bis 9 Uhr. Normalerweise wecken mich morgens kurz nach 5 Uhr die Krähen, die mit ihrem lauten Gekrächze den Tag einläuten. Ich schlafe dann zwar wieder ein, aber ich werde immer wach. Diesen Morgen hörte ich nichts dergleichen.  
Ich packte gerade das Zelt ein, als ein 4x4 Pick up kam und ein Uniformierter ausstieg. Er begrüßte mich sehr freundlich und stellte sich als „Natural Resource Manager“ vor. Ein Beamter von der Naturschutzbehörde. Er lobte mich, weil ich kein Feuer anhatte und mit fachmännischem Blick erwähnte er, dass auch gestern Abend keins brannte.  Es gilt nämlich für ganz British Columbia absolutes Feuerverbot. Zurzeit sind alle verfügbaren Mitarbeiter unterwegs, um dessen Einhaltung sicherzustellen. Nach dem Aufbruch war ich auch schon drei Stunden später bei Anni und Jim. Wie angekündigt waren sie nicht da. Als ich mein Zelt im Garten aufbaute, kam eine ältere Dame und begrüßte mich im Swizzerdütsch. Sie heißt Lisa und ist die Nachbarin von Anni und Jim. Man hatte ihr gesagt, dass ich kommen würde. 

 

Am nächsten Tag, Anni und Jim hatten zu tun, fuhr Lisa mit mir zum Fort Steele. Es entstand in den 1860iger Jahren in der Zeit des Goldrausches und wuchs später zu einer Kleinstadt heran. 1898 lebten dort schon 1.000 Menschen. Für damalige Verhältnisse eine Großstadt. Nach dem Goldrausch, um die Jahrhundertwende, schrumpfte der Ort wieder und versank in die Bedeutungslosigkeit. 1950 erweckte man den Ort zu neuem Leben und seit 1961 ist er eine Museumsstätte für die Zeit der Besiedelung des Landes.

 

Alle Geschäfte, Handwerksbetriebe, Saloons und auch das Theater sind in Betrieb und zeigen das Leben der damaligen Zeit. Überall sind Schauspieler in historischer Kleidung, die in der alten Schneiderei hergestellt wird, und führen typische Szenen des Lebens auf, wie es damals war.
Ein schöner Ort und etwas Kultur war eine willkommene Abwechslung zur „Natur satt“.      

 

mehr lesen 4 Kommentare

Durch das schöne Elk Valley nach Alberta

Die "Einfahrt" in das schöne Elk Valley.

 

 

Von Anni und Jim aus fuhr ich über Cranbrook und Elk zum Wintersportort Fernie. Das ging für Trail-Verhältnisse sehr schnell, denn zum Teil war der Trail über viele Kilometer asphaltiert und glatt wie ein Baby-Popo. In Fernie machte ich im Hostel etwas Pause, weil es ein sehr schönes Hostel ist und ich hatte einen 10-Mann-Schlafsaal ganz für mich. Da der Trail von Fernie bis zum Elk Valley immer parallel zur Landstraße führt und ich zu dieser immer „Hörkontakt“ hatte und ich sie auch sehr oft sehen konnte, fuhr ich dann gleich auf dem Seitenstreifen der Landstraße. So kam ich wieder gut voran und schonte das Rad und meine Knochen. Im Nachhinein war das sehr gut, denn ich musste in Fernie meine Übernachtungen für Banff und Lake Louise reservieren. Diese Orte sind seit Wochen ausgebucht. Sowohl die Campgrounds als auch die Hotels und Hostels. Ich bekam gerade eben noch ein Bett im Schlafsaal. Das liegt daran, dass mittlerweile die kanadischen Ferien begonnen haben, diese Nationalparks zu den Highlights von Kanada gehören und die Regierung zum 150sten Geburtstag des Landes überall freien Eintritt gewährt. Normalerweise zahlt man kräftig für die Nationalparks. Ich hatte also, ganz ungewohnt für mich, Termine!!!! Beim Reservieren muss man die Kreditkartennummer angeben und es wird gnadenlos abgebucht. Ob du nun kommst oder nicht. Ich hatte die Zeit bis Banff gut bemessen. Dachte ich zumindest. Aber es kam (wie so oft auf diesem Trail) anders und so war es gut, dass ich anfangs so zügig unterwegs war. Ohne diesen „Vorsprung“ hätte ich Banff nicht pünktlich erreicht.

 

In dieser Gegend wird Kohle im Tagebau abgebaut. Die Kohle ist sehr hochwertig und es besteht eine weltweite Nachfrage. Zuerst dachte ich, mit Blick zu den schwarzen Rauchschwaden auf den Bergen, dass es auch hier brennen würde, aber es war der Kohlestaub der Mine.
In Sparwood steht ein ausgedienter LKW-Kipper, der in seiner Dienstzeit vor 20 Jahren der größte LKW der Welt war. Er konnte 320 Tonnen Kohle auf einmal transportieren. Natürlich musste ich mich mitsamt Rad vor einem der riesigen Reifen postieren.    

 

Ich fuhr dann durch das schöne Elk Valley (Hirschtal), bekannt durch seinen Wildreichtum. Auch die Bärendichte ist hier sehr hoch, gesehen habe ich keinen. Allerdings lag auf dem Trail jede Menge abgeschupptes Fell. Dafür konnte ich umso mehr Rotwild beobachten.

 

Am Ende des Elk Valley steht ein Holztor, das die Grenze zwischen British Columbia und Alberta markiert. Ich fuhr somit in die zweite Provinz (so nennt man hier die Bundesländer).
Auf Wiedersehen „BC“. Du warst anstrengend, aber wunderschön.
Ich bin jetzt übrigens auch in einer neuen Zeitzone, der „Mountain Time“ und somit nur noch acht Stunden hinter Europa. Und um das Triple komplett zu machen, kurz vor Alberta machte ich die 2.000 km voll.     

Es geht im Blog jetzt mit Alberta weiter. Das Scrollen wird fürs Erste kürzer.

 

mehr lesen 2 Kommentare