Grizzly-Alarm im Kananaskis Country

Einer meiner schönsten Übernachtungsplätze des Tour.

Alberta begrüßte mich gleich knackig. Steile Anstiege und steile Abfahrten auf grober Schotterpiste. Das Fahrrad zu schieben ist für einen Radler immer eine kleine Schmach. Ich musste sie öfters ertragen. Aber mein Ego wurde wieder aufgerichtet, als ich sah, dass selbst die jungen Männer mit ihren High-Tech-Mountainbikes ohne viel Gepäck die „Uphills“ hinaufschoben.
Das Kananaskis Country ist hier sehr bekannt. Es ist die „Outdoor-Spielwiese“ der Millionenmetropole Calgary, hat ein fantastisches Bergpanorama und ist Teil der „Great Divide“, der sogenannten kontinentalen Wasserscheide. Durch den Verlauf der Bergketten von Alaska bis nach Mittelamerika fließen die Flüsse mal nach Westen in den Pazifik, nach Norden in den Arktischen Ozean, nach Osten zum Atlantik oder nach Süden in den Golf von Mexiko.
Von dem tollen Bergpanorama hatte ich nicht immer etwas, da die Waldbrände hinter der Bergkette so viel Rauch in das Tal pusteten, dass ich nichts oder nur Schemenhaftes sehen konnte. Das war sehr, sehr schade. Denn ich wusste von Fotos, was ich da verpasste.
Der TCT folgt hier für 15 km dem „Highway 742“, eine üble Waschbrettpiste mit tiefem Schotter. Das Fahren war schlimm. Immer musste ich die beste Spur suchen und fuhr mehr Schlangenlinie als geradeaus. Und es war staubig. Viele Autofahrer bemühten sich zwar, mich nicht zu sehr einzustauben, aber das war ein hoffnungsloses Unterfangen. Nach einer Stunde waren das Rad und ich komplett grau eingestaubt und zwischen den Zähnen knirschte es.
Auf einem sehr schön gelegenen Rastplatz richtete ich mich zur Nacht ein und hatte hier Glück, denn das Tal war rauchfrei und ich hatte tolle Blicke auf die bis zu 3.500 m hohen Bergriesen. Dies war in fast 1.900 m Höhe einen meiner schönsten Campingplätze dieser Reise. Es war nachts so kalt, dass ich mir im Schlafsack noch ein Merinoshirt und Socken anzog, um nicht zu frieren. Am nächsten Morgen waren das Zelt und die Umgebung mit silbrigen Raureif überzogen und das Thermometer zeigte minus 4 ° an. Das Zelt in diesem Zustand einzupacken geht nicht und so musste ich leider, leider noch zwei Stunden im kuscheligen Schlafsack bleiben, bis die Sonne über die Berge kam und die Wärme brachte. 
Normalerweise verlässt der TCT diese schreckliche Piste, um am Westufer des Spray Lake immer dem Spray River bis nach Banff zu folgen. Doch hier gab es Grizzly-Alarm.  Eine Grizzly-Mutter hatte sich mit ihren zwei erst sechs Monate alten Jungen im Bereich des Trails eingerichtet. Und weil in dem Alter die kleinen Bären sehr neugierig sind und ungestüm auf alles Neue, auch Wanderer und Radfahrer, zustürmen, war sie entsprechend aggressiv und hochgefährlich. So sahen die Ranger sich gezwungen, zum Schutz beider Seiten, den TCT zu sperren und uns wieder zurück auf die 742 zu schicken. Das war ein Umweg über Canmore von 30 km. Da ich beim Zustand des 742 nur langsam vorankam, war meine pünktliche Ankunft in Banff nicht mehr möglich und meine Reservierung drohte zu platzen.
Ich entschied mich, den Rest bis nach Canmore einen Pick up zu bitte, mich mitzunehmen.
Jedes Mal wenn ich im Rückspiegel die Staubwolke sah, stoppte ich um zu sehen, ob es ein Pick up war. Wenn ja reckte ich den Daumen hoch. Aber man winkte mir nur freundlich zu. Ich vermute, mein hochgestreckter Daumen wurde als Dank für das langsame, staubärmere Fahren missverstanden. Also wedelte ich beim nächsten Wagen ordentlich mit den Armen und der hielt auch sofort an. Nach einer kurzen Erklärung wurde das Rad verladen und ich hatte ein Riesenglück, denn auch er hatte Canmore als Ziel. Mit dem Auto waren wir schnell die restlichen 20 km nach Canmore gefahren. Von dort fuhr ich den Lagacy Trail bis nach Banff. Das ist ein asphaltierter Fahrradweg, der leider direkt neben dem Trans Canada Highway, der hier eine 6-spurige Autobahn ist, führt. Viele abendliche Freizeitradler benutzen diesen Weg. Einer meinte ganz begeistert, wie toll doch dieser Trail wäre. Ich war lediglich vom Zustand angetan. Aber parallel zur Autobahn ist nicht gerade das prickelnde Kanadaerlebnis. Dazu kam, dass auch dieses Tal mit Rauch gefüllt war und ich nicht viel von der spektakulären Aussicht hatte, dafür gereizte Schleimhäute und brennende Augen.
Aber ich kam doch noch pünktlich nach Banff.          

 

 

 

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Erholung in Banff

Erholung in der heissen Thermalquelle von "Hot Springs Banff".

 

Gleich nach dem Einchecken im Hostel , machte ich mich auf den Weg zu den „Hot Springs“. Wohltat Nr. 1: die Dusche. Wohltat Nr. 2: das 39° heiße Thermalbad. Ich legte mich im Becken an den Rand und merkte, wie sich die Muskulatur entspannte. Ab und zu schwamm ich ein paar Züge. Mehr ging gar nicht, da das Becken doch recht klein ist und es auch sehr voll war. Wohltat Nr. 3: komplett frische Kleidung. So aufgefrischt erkundete ich zu Fuß das Städtchen. Banff ist ein mondäner Urlaubsort, ich bezeichne es als das St. Moritz von Kanada. Teure Hotels, Boutiquen, Schmuckgeschäfte und Restaurants. Der Ort gibt sich viel Mühe gepflegt zu sein und ist überwiegend im Blockhausstil gebaut.  Man kann sich hier wohl fühlen, allerdings muss die „Brieftasche“ stimmen.
Besonders, wenn man im Fairmont Banff Springs Resort logiert. Es ist ein historisches Gebäude und wohl das berühmteste Hotel Kanadas, im Stil eines schottischen Schlosses gebaut. Die Zimmerpreise beginnen bei 400,- $ und gehen mühelos in den vierstelligen Bereich. Im Nachhinein weiß ich gar nicht, warum ich mich dort nicht einquartierte!!!  

 

 

 

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Lake Louise

Der Lake Louise vom Gipfel des "Little Behive" aus 2.225 m Höhe.

 

 

Die zwei Tage in Banff vergingen wie im Flug und ich war wieder „on the road again“. Straße auch deshalb, weil ich ab hier einen Ausflug vom TCT mache, denn der führt von Banff Richtung Süden nach Calgary.
Ich aber wollte noch die Rockies weiter genießen und unbedingt den berühmten und spektakulären "Icefield Parkway" sehen, der bei Lake Louise beginnt und in den Jasper Nationalpark führt. (ich hatte von Steigungen noch nicht genug 😉) und radelte den kleinen Bow Valley Parkway nach Lake Louise. Dort hatte ich für drei Nächte ein Bett im Hostel reserviert, denn ich plante zwei besondere Wanderungen.
Als ich früh morgens in Banff losfuhr, hatte ich nur 9° und mein Freund der Rückenwind meinte es heute nicht so gut mit mir und pfiff mir eisig entgegen. Nach dem Zwiebelprinzip hatte ich vom Unterhemd bis zum Sweatshirt fünf Lagen an. Trotzdem brauchte ich die Bewegung, um auf Temperatur zu kommen. Es war überwiegend dicht bewölkt und das  Thermometer zeigte selbst am Mittag nicht mehr als 14° an.    
Vom Hostel in Lake Louise Village bin ich sehr überrascht. Ein sehr schönes, auch im Blockhausstil errichtetes, Gebäude mit dem Komfort eines Hotels. Ich wurde in ein 4er-Zimmer mit eigenem Bad einquartiert. Alles ist pieksauber, die Küche im Keller toll ausgestattet und man gibt sich sehr viel Mühe, die internationale Hostel-Atmosphäre zu fördern. Einziges Manko: Das Internet ist hier dermaßen langsam, dass beim Aufrufen meiner Webseite immer wieder wegen „Zeitüberschreitung“ ein Abbruch erfolgte.

 

Am ersten Tag fuhr ich mit dem Rad hoch zum Lake Louise. Trotz starker Bewölkung war dort der Teufel los. Bereits um 10 Uhr waren alle Parkplätze voll und man schickte die Autos wieder weg. Als ich angeradelt kam, deutete der Polizist auch ein Zeichen des Umkehrens an, machte aber grinsend die Absperrung auf. Am Ufer des Sees gab es eine internationale Völkerwanderung, besonders die vielen Chinesen fielen (unangenehm) auf.
Doch nach 500 m zweigt vom Uferweg der Wanderweg in den Wald ab und ab dort waren nur noch eine Handvoll Menschen am Kraxeln. Ich hatte mir den langen Rundwanderweg unter anderem zum „Little Beehive“-Gipfel auf 2.225 m Höhe ausgesucht. Es war schon ein Jammer, daß  ausgerechnet jetzt das Wetter nicht so mitspielte. Oben angekommen, fing es sogar etwas an zu regnen. Die Sicht nach unten auf den See ist spektakulär, aber bei Sonnenschein ist das Türkis des Gletscherwassers noch viel intensiver. Und Fernsicht über die Rockies gab es gar nicht. Nur den Beginn der Gletscherhochebene auf 2.900 m konnte ich sehen. Die 3.500er Bergriesen dahinter verschwanden in den Wolken.   
Es tat gut, durch das Wandern auch mal andere Muskeln zu beanspruchen. Aber als ich nach etwas über 20 km wieder unten am See ankam, merkte ich schon, dass ich meinen Körper in letzter Zeit sehr „herangenommen“ hatte. Zum Glück brauchte ich vom See die fünf Kilometer zum Dorf nicht zu treten, da es nur bergab geht.
Unten angekommen, erkundigte ich mich nach einer Busverbindung zum Moraine Lake, meinem morgigen Wanderziel. Ich muss meine Kräfte ein bisschen einteilen.        

 

 

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Moraine Lake

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Das Hostel von Lake Louise

Das HI Hostel in Lake Louise

 

Ich steige mittlerweile gerne in Hostels ab. Anfangs war es ungewohnt und das Schlafen mit fremden Menschen in einem Zimmer war gewöhnungsbedürftig. Aber daran habe ich mich gewöhnt. Ich mag die internationale Atmosphäre, das gemeinsame Kochen und Essen. In der Küche hilft man sich schon mal gegenseitig mit Gewürzen oder beispielsweise etwas Brot aus. Auch die netten Gespräche mit Menschen aus aller Herren und Länder empfinde ich als Bereicherung meiner Reise. Und natürlich die Tipps über Reiseziele, gute Preise oder auch, wo der Reisende aufpassen muss. Das Personal ist ebenfalls international und es sind meistens junge Menschen, die selbst auf Basis von „Work and Travel“ unterwegs sind. Und das ganze zum Preis von 15,- bis 20,- Euro pro Nacht. Besonders gute Erfahrungen machte ich bisher mit den Häusern der „HI“-Kette (Hostel International), bei der ich jetzt auch Mitglied bin und somit weitere Vorteile, wie Rabatte bei Veranstaltern, Eisenbahn, etc. nutzen kann. So bekam ich beispielweise auf einen Ausflug in Jasper 15% Nachlass und hatte so fast eine  Übernachtung „wieder drin“.      

 

 

 

 

 

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Probleme mit dem Netbook

Hallo liebe Blog-Gemeinde,

leider macht mein Netbook Probleme und ich komme nicht mehr ins Internet. Ich kann zur Zeit nur von oeffentlichen PC den Blog aufrufen und dort natuerlich keine Fotos herunterladen.
Also bis auf Weiteres nur noch sporadische Artikel und keine Fotos - sorry.

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Die Panoramastraße Icefield Parkway

Der Peyto Lake

 

(Mein Lieblingssee am Parkway).

 

Und wie man sieht, läuft das Netbook wieder. Das kostete mich fast eine Nacht und viel Nerven. Aber es hat sich gelohnt. Ich bin happy 😉😉 .

 

 

 

Der Icefield Parkway ist auch eine Panoramastraße und zählt zu Recht mit zu den schönsten der Erde. Sie beginnt in Lake Louise und endet nach 230 km in Jasper und verbindet die beiden Nationalparks Banff und Jasper. Die Strecke führt parallel zu den gewaltigen „3.500ern-Gipfeln“ der Rocky Mountains, die hier zu den höchsten des Gebirges gehören und das Columbia Icefield tragen. Dieses Gletschergebiet ist die größte, zusammenhängende Eismasse südlich des Polarkreises. Das Eis ist teilweise 400 m dick.
Für diese Straße mache ich den Umweg von 600 km, denn normalerweise führt der Trans Canada Trail ab Banff in den Süden nach Calgary. Leider muss ich für den Anschluss an den TCT diese Strecke bis nach Canmore, südlich von Banff, wieder zurückfahren. Das ist schon ein großer Nachteil.  

 

Der Parkway überquert zwei Pässe, jeweils über 2.000 m, wo ich wieder „alles geben“ musste. Aber es war deutlich zu merken, dass ich ganz schön an Kondition zugelegt habe.   

 

Die Nächte auf den Campingplätzen waren sehr kalt, da ich zum Teil auf über 2.000 m Höhe campierte. Auf dem Campground Mount Kerkeslin traf ich Roland, ein deutscher Reisejournalist, der Bücher über seine Abenteuer schreibt und Vorträge hält und seinen Begleiter, den Amerikaner Mike. Den hatte Roland auf der Strecke kennengelernt und sie fahren ein paar Tage zusammen. Mike ist Anfang 60 und kommt aus der Umgebung von Harriesburg. Wir teilten uns die Campsite, kochten gemeinsam und hatten einen sehr netten Abend. Da ich am nächsten Tag Jasper erreichen werde, waren meine Vorräte nicht mehr sehr üppig und ich konnte bis auf ein paar Reste für den Salat leider nicht viel beitragen. Dafür übernahm ich dann im Fluss den Abwasch 😉.  

 

Eine Enttäuschung war das Icefield Center. Hier konnte ich vor 11 Jahren noch auf dem Gletscher herumlaufen. Darauf hatte ich mich seit Tagen gefreut. Jetzt ist alles aus Sicherheitsgründen abgesperrt. Auf den Gletscher kommt man nur mit einer sündhaft teuren Führung. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Im Hostel von Jasper traf ich Birgit und Peter wieder. Ein sehr nettes Paar, das ich bereits im Hostel in Lake Luise kennenlernte. Beim gemeinsamen Frühstück verabredeten wir uns zum Grillabend. Franz aus der Schweiz kam auch noch dazu. Birgit und Peter hatten eingekauft, wir bereiteten  gemeinsam den Salat zu und Peter erwies sich als wahrer Grillmeister. Seine Steaks waren perfekt und Birgits Kartoffelsalat war auch sehr lecker. Franz überraschte uns zum Dessert noch mit frischen Blaubeeren. Die lästigen Mücken vertrieben uns nach Drinnen, wo wir noch etwas zusammensaßen. Das war eine sehr nette Runde und ich hoffe auf ein Wiedersehen in Hamburg.

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Sinnkrise

In Jasper schüttelte mich eine Sinnkrise durch. Irgendwie war die Luft raus. Es kamen mehrere Aspekte zusammen: Am intensivsten beeinflusste mich bestimmt meine körperliche Erschöpfung. Ich hatte nach fast 2.500 km und zwei Monaten in den Bergen wohl die Grenze meiner Kräfte erreicht. Dann atmete Jasper als Ende des Icefield Parkways so etwas wie Schlussstimmung aus. Und ich bin innerlich „berggesättigt“. Ich will nicht mehr hoch und runter und den Horizont von Bergen verstellt sehen. So schön die Berge in Kanadas Westen auch sind. Deshalb habe ich einfach keine Lust mehr, die 320 km auf der gleichen Route zurückzufahren. Dazu kommt, dass der TCT ab Calgary wieder in den Norden nach Edmonton führt, was fast genau auf der Höhe von Jasper liegt. Ich muss also ein großes „U“ fahren, nur um Calgary zu sehen und von dort nach Edmonton durch Farmland zu fahren. Farmland gibt es auf dem Weg in den Osten mehrere Tausend Kilometer!!! Und der TCT hat zwischen Calgary und Edmonton die größten Lücken, die es ohnehin in Eigenregie über Landstraßen zu überbrücken gilt.
Ich las im Reiseführer, dass Calgary die „US-amerikanischte“ Stadt Kanadas ist. Amerikanische Städte kenne ich zur Genüge, ich war in fast allen großen. Ein Museum über die Geschichte der First Nation fand mein Interesse. Aber wegen eines Museums insgesamt 930 km mit dem Rad zu fahren. Auch dieser Gedanke hob meine Stimmung nicht gerade.
Ich recherchierte im Internet, rechnete Kilometer und Wochen und stellte fest, dass ich bei meinem bisherigen Kilometerschnitt pro Woche frühestens Mitte Oktober in Winnipeg sein würde. Mit „Chance“ hat dort dann schon der Winter an die Tür geklopft. Allerdings war mir klar, dass mein Kilometerschnitt im bergigen Westen niedriger war, als der in Mitte Kanadas mit hoher Wahrscheinlichkeit sein wird. Aber ich hörte auch, das die Prärie sehr wellig sein soll. Es gab somit unbekannte Faktoren. Ich musste mir eingestehen, dass ich Kanada unter- und mich überschätzt hatte und ich ein wenig umdisponieren muss.
Mit all diesen Gedanken ging ich betrübt ins Bett. Am nächsten Morgen war mir klar, auf Calgary zu verzichten und von Jasper direkt nach Edmonton zu reisen. Und zwar mit der Bahn!!! Denn hier kommt Via Rail Canada von Vancouver nach Toronto durch. Ich verbinde so die beiden oberen Spitzen des „U“, statt es zu fahren, erspare mir durch das "Schwänzen" von 610 TCT-Kilometern die östlichen Ausläufer der Rockies und gönne dem Körper noch einen zusätzlichen Tag Pause. Da der Zug nur zweimal die Woche fährt, verlängerte ich meinen Hostelaufenthalt bis Montag, fuhr zum Bahnhof und buchte für 94,- $ ein Seniorenticket.

 

Was so ein kleiner Papierschnipsel wie ein Ticket doch ausmacht. Und ich hatte eine Entscheidung getroffen! Nun habe ich wieder die Chance, rechtzeitig in Winnipeg anzukommen, lasse (zumindest die hohen) Berge hinter mir und ein ganz anderes Kanada erweckte meine Neugierde.
Ich war wieder gut drauf!!!    

 

Das einzige Problem: Der Zug kommt erst um Mitternacht in Edmonton an und wegen der Waldbrände in British Columbia wurde am Bahnhof auf eine eventuelle, erhebliche Verspätung des Zuges hingewiesen. Ich würde kaum noch im Hostel einchecken können und bin dann mitten in der Nacht in einer kanadischen Großstadt. Aber das löse ich, wenn es soweit ist!         

 

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Jasper und das Maligne Valley

Spirit Island im Maligne Lake

 

Mit der guten Stimmung der getroffenen Entscheidung, buchte ich einen Ausflug in das Maligne Valley.
Ich wurde am nächsten Morgen pünktlich beim Hostel abgeholt und wurde gefahren. Wie schön, mein Körper hatte Pause. Und ich hatte noch das Glück, dass wir nur eine kleine, internationale Gruppe waren und unser Guide sehr akzentuiertes Englisch sprach, so dass ich alles verstehen konnte. Seine Ausführungen über Fauna, Flora, Geologie und Geschichte dieses Tals waren sehr interessant und er verstand es, sehr lebendig und humorvoll vorzutragen. Ich hatte einen echten Profi erwischt.
Zuerst wanderten wir durch den Maligne Canyon und da zwei ältere Damen dabei waren, gingen wir schön langsam. Es war somit genügend Zeit zum Fotografieren und ich brauchte nicht der Gruppe hinterherzulaufen.
Beim See angekommen, bestiegen wir ein kleines Ausflugsboot und wegen der vielen Kanuten auf dem Wasser, fuhren wir überwiegend langsam. Wetter- und tageszeitbedingt war es leider ziemlich diesig, so dass die ganz „knackigen“ Fotos nicht möglich waren.
Der See ist einmalig schön und das kleine, berühmte Inselchen am Ende wurde nicht zu Unrecht von den Ureinwohnern „Spirit Island“ genannt.
Am Nachmittag wurde ich wieder beim Hostel abgesetzt. Der Körper hatte sich ausgeruht, die Seele hatte ihre schönen Ansichten – was wollte ich mehr!?       

 

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Dank an meinen Schutzengel

.... und an alle, die mich mit ihren guten Wünschen begleiten. Es hilft!
Während ich im Wartesaal des Bahnhofs in Jasper auf den Zug wartete, sah ich auf einem riesigen Bildschirm Nachrichten. Und mir stockte fast der Atem:
Banff: Der Rauch der Waldbrände ließ nur wenig Tageslicht durch- der Ort war in Dauerdämmerung.
Canmore - Calgary: Die Highways mussten wegen der Waldbrände gesperrt werden.

Die Situation hatte sich so verschärft, dass der Premier von Kanada, Trudeau, nach British Columbia reiste, um sich Vorort ein Bild zu machen.

 

Banff, Canmore, Calgary - dort hätte ich durch müssen, wenn meine innere Stimme mir nicht geraten hätte, auf das "U" zu verzichten. So wurde meine Entscheidung im Nachhinein noch dramatisch untermauert. 

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Mit Via Rail nach Edmonton

Auch mein Zug wurde von drei schweren Loks gezogen.

 

Der Zug kam mit eineinhalbstündiger Verspätung in Jasper an. Trotzdem hatte man dort die Ruhe weg. Personenzüge in Kanada sind Urlaubsangelegenheit. Und wer reist, hat Zeit (zu haben). Deshalb haben auf den Strecken Güterzüge Vorrang. Beruflich werden das Flugzeug oder das Auto benutzt.
Schon in der ersten Stunde nach der Abfahrt, wurden die Berge immer kleiner, bis der Zug nur noch durch endlosen Wald fuhr. Hin und wieder blitze ein See oder der Saskatchewan River in der Abendsonne auf. Der Zug zuckelte mehr durch die Landschaft, als das er fuhr. Jedenfalls nach deutschen ICE- und IC-Verhältnissen. Und er musste oft anhalten, weil lange Güterzüge die oft eingleisige Strecke benutzten.
Zweimal fuhren wir sogar für mehrere Kilometer rückwärts, blieben stehen und siehe da, dröhnend kam einer der über einen Kilometer langen Güterzüge mit seinen drei Dieselloks angedonnert.
Ich hatte eine ganze Sitzreihe für mich und konnte später etwas dösen. Richtig schlafen lag nicht drin, dafür ruckelte und klapperte es zu viel. Obwohl keine weiteren Hindernisse auf der Strecke waren, verlor der Zug noch zwei weitere Stunden und ich war morgens um 2 Uhr 30 in Edmonton. Aber was für ein Bahnhof, der gar keiner ist. Hier stand lediglich eine mit Plasikstühlen ausgestattete, kühle Industriehalle, nicht größer als 30 mal 15 m mit WC und Gepäckband. Um 3 Uhr hatte ich das Rad und meine Packtaschen, hier wird alles im Gepäckwagen befördert und Gepäckaufgabe und -ausgabe funktionieren wie auf einem Flughafen und wollte es mir in der Halle etwas "gemütlich" machen. Denn um diese Zeit konnte ich nirgendwo mehr einchecken. Aber ich wurde freundlich gebeten, den Raum zu verlassen, da er abgeschlossen werden sollte. Weil nur drei Züge pro Woche fahren, wird immer nur dann geöffnet. Da stand ich nun, morgens um 3 Uhr, müde in einem Industrieviertel. Und dann, fing es auch noch an zu regnen. Missgelaunt fuhr ich Richtung Innenstadt, immer nach einer Schlafgelegenheit Ausschau haltend. An einem Sportplatz entdeckte ich eine kleine, überdachte Tribüne. Ich zog mir noch eine weitere Schicht Kleidung an, legte die Luftmatratze auf eine Sitzbank und benutzte den Rucksack als Kopfkissen. Um 7 Uhr 30 wachte ich auf. Aber nicht, weil ich gestört wurde, sondern die Blase verlangte nach einem Bäumchen. Im Berufsverkehr fuhr ich zum Hostel und statt nur mein Gepäck abzugeben, durfte ich netterweise schon einchecken. Was war das Duschen herrlich.    

Nach dem Frühstück fuhr ich in die Innenstadt. Da es regnete war alles grau in grau und nichts war sehr einladend.Mir fiel auf, dass es in der Cuty kaum Geschäfte gibt. Die Innenstadt besteht fast nur aus Bürohäusern. Geschäfte sind außerhalb in den Malls und den kleineren Stadtbezirken. Ich brauchte von Saskatchewan und Manitoba Straßenkarten. Aber es gab weit und breit keine zu kaufen. Auch die Tankstellen hatten keine. Das Visitor Center schickte mich zum CAA, dem ADAC von Kanada, wo ich als ADAC-Mitglied die Karten kostenlos bekam. Und noch einen heissen Tee. Nach dem Einkaufen fuhr ich ins Hostel, Edminton ist für mich nur eine "Versorgungsstation".

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Das andere Kanada

Farmland bis zum Horizont

 

Östlich von Edmonton erwartete mich ein ganz anderes Kanada.

Völlig ungewohnt war für mich der Anblick von Industrieanlagen. Alberta ist Öl- und Gasland. Kanada verfügt über riesige Öl- und Gasvorkommen und steht bei Umweltschutzorganisationen, wegen fragwürdiger Fördermethoden, in der Kritik. In einer Gegend war ich von Raffinerien und Fracking-Anlagen regelrecht umzingelt. Überall qualmte, zischte es und die Luft vibrierte regelrecht. Ich sah zu, dass ich da weg- kam.
Seit ich das schaffte, fuhr ich durch endloses Farmland. Die Topografie war wellig, ich hatte lange, aber keine steilen Anstiege und bewegte mich konstant zwischen 640 und 680 m Höhe. Der Raps stand hier Anfang August in voller Blüte und dessen süßer Duft begleitete mich Tag für Tag. Unterbrochen wurden die Rapsfelder vom Getreideanbau und Viehwirtschaft.Tourismus gibt es hier nicht. Ich hatte bisher erst einen einzigen Campingplatz und den erreichte ich schon mittags, keine Zeit zum Einkehren. Und auch der Trail ist hier ganz anders. Ich fuhr einen halben Tag im "90°-Zick-Zack-Kurs". Die kleinen Farmroads, alles Schotterpisten, sind im Schachbrettmuster angelegt. Wahrscheinlich hatte man bei der Besiedelung das Land in riesige Quadrate eingeteilt. Und da nicht alle Farmer die Überfahrt ihrer Farm erlauben, musste ich immer wieder im rechten Winkel abbiegen und vom Feldweg auf die Piste und dann wieder umgekehrt wechseln. So strampelte ich mich abwechselnd nach Norden und Osten, wo ich hin wollte, ab, ohne meinem Ziel, dem Smoky Lake, viel näher zu kommen. Dabei querte ich hin und wieder den HWY 28, auf dem ich irgendwann genervt blieb. Auf dem breiten Seitenstreifen fuhr es sich wunderbar, ich kam durch die gleiche Landschaft und auf dem Highway war kaum Verkehr. Dazu kommt, dass der TCT so gut wie nicht ausgeschildert ist. Nur an den ATV-Spuren erkenne ich, ob ich auf dem Trail oder einem Feldweg bin. Denn der Trail verläuft meistens parallel zur Straße und wird hier von den jugendlichen ATV-Fahrern benutzt, da die noch nicht auf die Straße dürfen.
Dies alles zwingt mich zu einem ganz anderen Verhalten. Positiv und negativ. 

Die dichte Besiedelung und der Mangel an Campingplätzen erschwert das Übernachten enorm. Überall sind Zäune und vor kleinen Wegen "lächeln" mich die Schilder "Private Property - no trespassing" an. Aber mit Kompromissbereitschaft fand ich immer ein kleines Plätzchen. Entspannter dabei ist, dass ich keine Bärenregeln mehr zu beachten habe. Ein großer Vorteil sind die kleinen Dörfer, die in kürzeren Abständen aufeinanderfolgen. Ich brauche nicht mehr so viel Vorräte dabei zu haben, kaufe ein bis zwei Tagesbedarfe und kann auch regelmäßig das Wasser auffüllen. Sehr praktisch ist, dass alle Dörfer kleine Parks mit Picknicktischen haben. So fahre ich morgens ins nächste Dorf zum Frühstücken, habe mittags  ein Lunch-Plätzchen und abends nutze ich das letzte Dorf zum Abendessen. Beim Wildcampen spielen sich sonst das Kochen und Essen auf dem Boden ab. Und ich fand bisher morgens und abends auch eine Tankstelle und kann deren "Washrooms" für die tägliche Hygiene nutzen. Auch sehr praktisch!  
Und noch etwas ist ganz anders: Ich bin der einzige Radler. Sowohl auf dem Trail, als auch auf den Highway, bin ich ein Exote.
Ungewohnt sind auch dreistellige Tageskilometer, ohne dass ich es darauf anlege. Es ergibt sich einfach.

Interessant ist, dass ich an den Kirchen, Friedhöfen und Ortsnamen erkennen kann, welche Einwanderer den jeweiligen Ort gründeten und ihn seit dem prägen.        

 

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