1. Foto- und Filmausrüstung

 

Bevor ich 2017 die 1. Etappe durch Kanada radelte, befasste ich mich sehr eingehend mit diesem Teil der Ausrüstung und investierte sogar einen Tag auf der Photokina in Köln. Auch weil, nach dem Fahrrad, dieser Teil der Reiseausstattung der zweitteuerste Posten ist.

 

Mein Ergebnis: Die Unterschiede bei der Bildqualität namhafter Hersteller in der gehobener Preisklasse sind so gering, dass ein Hobbyfotograf diese in der Reisesituation kaum herausarbeiten kann. Sehr gute Fotos bei umfangreichen Ausstattungen liefern alle. Profis, die zum Beispiel Bildbände herausgeben und Kalender produzieren, sehen das vielleicht anders. Aber die sind auch in der Preisstufe mindestens eine Liga höher unterwegs als ich.  
Für mich waren daher sowohl für die Kamera als auch die Objektive folgende Kriterien entscheidend: Kompakte Maße und geringes Gewicht, robuste Konstruktion, wetterfest, d.h. Gehäuse und Objektive müssen abgedichtet sein, ergonomisch in der Handhabung.

 

In Summe erfüllt die Olympus OM-D E-M1 Mark II diese Kriterien am besten. Ich benutze sie mit den M. Zuiko PRO-Objektiven mit durchgehender Blende 2,8 und den Brennweiten 7-14 mm, 12-40 mm und 40-150 mm (entspricht Kleinbildformat mal 2). Damit habe ich vom extremen Weitwinkel bis zum mittleren Tele alles dabei.

Kamera und Objektive haben sich sehr gut bewährt. Hunderte von Kilometern auf Schotterpisten in der Packtasche, Minustemperaturen, Regen und der eine oder andere Stoß wurden ohne Beeinträchtigung weggesteckt. Selbst in und nach der Gischt der Niagarafälle funktionierte die Kamera einwandfrei.  

 

Für den „schnellen Schnappschuss“ habe ich noch eine kompakte Canon IXUS 190 dabei. Sie ist in der Lenkertasche immer griffbereit und passt in jede Hosen- und Jackentasche. Ich stelle sie meistens auf eine niedrigere Auflösung ein, damit ich für den Blog speichersparende Fotos habe. Wer auf das WiFi in einem kanadischen McDonald  „in the middle of nowhere“ zum Übertragen seiner Fotos angewiesen ist, weiß geringe Auflösungen zu schätzen. Nachteil bei diesen Kameras ist der fehlende Sucher. Bei Sonne sieht man auf dem Display kaum das Motiv.

 

Natürlich darf bei einer richtigen Abenteuerreise eine Actioncam nicht fehlen. Nein, ich filme nicht mit dem Marktführer GoPro, ich setze auf die Sony FDR X 3000. Mir gefällt die schmale Bauweise besser, da ich die Kamera überwiegend auf dem Helm montiert habe. Neben der sehr guten Filmqualität hat sich die Fernbedienung mit Kontrollmonitor für das Handgelenk oder am Lenker bewährt. Das wasserdichte Gehäuse verdient seine Beschreibung. Ich verwende es auch zum Schutz der Kamera, z. B. vor Ästen bei Fahrten im Wald. Es hat noch nicht einmal Schrammen davongetragen. Weniger schön ist die schnelle Selbstentladung der Akkus in der Kamera und deren langsames Laden. Benutzt man die Kamera ein paar Tage nicht, ist der Akku leer. Da diese Geräte sehr klein sind, ist das Wechseln des Akkus entsprechend fummelig. Und natürlich passiert das immer dann, wenn man es nicht braucht.... Je nach Nutzung kann gegenüber der GoPro der geringere Zubehörumfang ein weiterer Nachteil sein. Ich filme mit Stativ, am Helm und am Lenker. Dafür reichen die Sony-Teile allemal.

 

Auf die Radreise nehme ich das Stativ Move von togopod mit. Dank Carbon wiegt es inclusive Kugelkopf und stabiler Hülle nur 1.340 g und mit einem Packmaß von 34 cm ist es auf dem Rad gut transportierbar und immer griffbereit. Es ist schnell aufgebaut und steht bombenfest auf allen Untergründen. Wo ein klassisches Stativ an seine Grenzen kommt, beginnt der Einsatz des legendären GorillaPod von Joby. Ich habe das 3K Pro Kit mit kleinem Kugelkopf. Die Beine lassen sich gerne um einen Ast, Zaunpfahl oder Ähnliches biegen und trotzdem ist die Kamera stabil positioniert. Ich möchte es nicht mehr missen.

 

Hauptsächlich für Tierbeobachtungen habe ich das kleine Fernglas Wildlife 10x26 von Steiner dabei. Mit noch nicht einmal 300 g ist es in der Lenker- oder Kleidungstasche immer griffbereit. Wer sich damit in Kanada einen 100 m entfernten Grizzly "heranholt", verliert nicht den Respekt vor Meister Petz. Über die Steiner-Qualität braucht nicht diskutiert zu werden. Trotz intensiver Nutzung ist es wie neu. 

 

 

 

2. IT und Komunikation

 

Auf der Motorradtour durch die USA und Kanada hatte ich noch einen Laptop dabei. Auf dem Fahrrad ist das indiskutabel. Da 2017 die Tablets noch nicht so leistungsfähig waren, um zum Beispiel mit BaseCamp von Garmin Touren planen zu können, entschied ich mich für ein 13"- Netbook von Asus mit einem Intel i7-Prozessor, 16 GB Arbeitsspeicher und 512 GB SSD. Damit war ich jederzeit üppig ausgerüstet, um den Blog zu pflegen, Fotos zu sichten und in die Cloud zu stellen, Tagebuch zu schreiben und vieles mehr. Die Akkulaufzeit ist bei vorgenannter Nutzung ausreichend für 3-4 Tage bzw. 6-8 Stunden. Das Gerät befindet sich in einer gepolsterten Hülle entweder an der Innenseite einer Packtasche oder im Rucksack. Es hat alle Schotterpisten und einige Stürze schadlos mitgemacht. Empfindlich ist das Netbook bei kurzfristigem Wechsel von kalter in warme Umgebung. Nach einem kalten Tag in der Packtasche verweigert es seinen Dienst, wenn man es gleich nach Ankunft in warmen Räumen einschalten will. Mit frostigen Temperaturen im Zelt (bis - 6°) hat der Rechner keine Schwierigkeiten.

Als zusätzliche Datensicherung dient eine kleine Festplatte von Western Digital mit 2 TB. Die bekommt auch ein Vielfotograf nicht so schnell voll.

 

Da die Tablets in den letzten vier Jahren enorm an Leistung und Qualität zugelegt haben, werde ich zukünftig mit so einem Teil reisen. Das spart wieder Platz und 1 kg.

Für die Kommunikation und die schnelle Suche im Internet verwendete ich das fast unverwüstliche Outdoor-Handy CAT S41. Die Robustheit kauft man sich mit einem etwas klobigen und schwerem Gehäuse ein. Die Akkulaufzeit erreichte sensationelle zwei Wochen!!! Leider verlor ich das Gerät. Seit einem Jahr mache ich gute Erfahrungen mit dem Outdoor-Handy XCover PRO von Samsung, welches wie das CAT dem amerikanischen Militärstandard entspricht. Das Gehäuse und das Display gefallen mir besser als beim CAT, allerdings tauschte ich diese Vorteile gegen eine nicht so lange Akkulaufzeit ein.

 

 

3. Navigation und Notruf

 

Drei Jahre war ich mit dem Garmin Montana unterwegs. Ein absolutes Top-Navi, besonders in Kombination mit dem Planungstool BaseCamp. Es ist wetterfest, das Display ist auch bei Sonnenschein lesbar und die permanenten Lenkervibrationen auf Hunderten Kilometern kanadischer Wildnispisten haben das Navi nicht im Geringsten beeindruckt. Zum Wandern oder für eine Radreise ist es mit 290 g leider recht schwer und es ist ein echter Stromfresser. Der Leistungsumfang des Gerätes ist dermaßen umfangreich, dass ich es nicht annähernd ausnutzte. Leider langt Garmin bei den digitalen Karten preislich ordentlich hin. Zusammenfassend muss ich einräumen, mit dem Montana für meine Zwecke eine (teure) Fehlinvestition getätigt zu haben. Allerdings war bei meiner Reisevorbereitung für Kanada 2016/17 der Navi-Markt bei Weitem nicht so gut sortiert wie heute. 

 

Seit 2020 bin ich begeisterter komoot-Anwender (dort heiße ich "Globebiker") und navigiere mit dem Smartphone. Die Vorteile sind: komoot ist ein gutes Planungstool mit intuitiv bedienbarer Oberfläche. Der Umfang an Touren durch die Nutzer und viele Touristikorganisationen ist schier unerschöpflich. Das Navigieren ist sehr genau und die App liefert die Trip-Informationen, die für eine Radtour oder -reise benötigt werden. Des Weiteren habe ich ein Gerät mitsamt Ladegerät weniger dabei. Die Nachteile sind die schlechtere Displaylesbarkeit bei direktem Sonnenlicht.

 

Bei meinem Rad versorgt der SON-Nabendynamo und die Ladevorrichtung The Plug mit einer elektronisch geregelten USB-Steckdose am Lenkervorbau das Smartphone mit Strom. Dafür genügt eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit ab 15 km/h. Standzeiten oder langsames Bergauffahren werden durch eine integrierte, sich permanent aufladende, Powerbank überbrückt. Für das Garmin-Navi reichte diese Stromversorgung leider nicht. 

 

In der kanadischen Wildnis, mit zum Teil noch nicht einmal einem Bewohner je Quadratkilometer, gibt es selten Mobilfunknetz. Für den Fall einer ernsthaften Verletzung muss ich als oft Alleinreisender trotzdem einen Notruf absetzen können. Dafür benutze ich das satellitenunterstützte SPOT GEN3, das nur halb so groß wie ein Handy ist. Beim Aktivieren der SOS-Funktion werden meine Positionsdaten an eine Notrufzentrale gesendet, welche Hilfe oder wenn nötig eine Bergung organisiert. An eine Auswahl von Kontakten können kurze "Mir geht es gut"-SMS übermittelt werden, wenn man sich zum Beispiel tagelang nicht melden kann. Eine Tracking-Funktion sendet regelmäßig meine Standortdaten an meine Webseite, sodass Follower fast in Echtzeit meine Position auf einer Landkarte und den bisherigen Streckenverlauf verfolgen können. Zusätzlich zu den Kosten für den Sender muss ein Dienstleistungsvertrag abgeschlossen werden, der optional eine Bergungsversicherung beinhaltet.