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Entlang der Georgian Bay im Grey County

Mein Badezimmer

 

Die Georgian Bay ist eine der schönsten Gegenden Ontarios. Sie ist der östliche Teil des Lake Huron und durch die Manitoulin Island bildet sie fast einen eigenen See. An der Küstenlinie gibt es hunderte Buchten und oft führt eine kleine Uferstraße am See entlang. Uferstraße bedeutet hier allerdings an den oft edlen Wochenendhäusern der Torontonians entlang zu radeln. Direkt am Ufer zu radeln ist leider eher selten möglich. Aber trotzdem ist es hier sehr schön und das Radfahren ist entspannt und macht Spaß. Schwierig gestaltete sich das Übernachten. Hochsaison, drei Autostunden von Toronto entfernt und bestes Wetter. Alle Campingplätze waren ausgebucht. Und viel Wildnis, um sich in der Natur ein Plätzchen zu suchen, gibt es hier nicht. Links der Straße am Ufer Feriendomizile, rechts Farmen. Einmal, es war schon abends und Zeit das Zelt für die Nacht herzurichten, entdeckte ich in einem kleinen Waldstück einen Weg. Keine Hausnummer an der Straße, kein „Private Proberty“. Frohen Mutes fuhr ich hinein und endete an einer Koppel. Der Farmer trieb gerade seine Kühe zum grundstückseigenen Bach und erlaubte mir nach einem kleinen Plausch, dort zu zelten. Weniger Glück hatte ich in Wiarton. Dort gibt es einen riesigen, sehr schön angelegten Campingplatz in einem Park direkt am See. Der Platz gehört der Stadt und so geht es amtlich korrekt zu. Da alle Stellplätze besetzt waren, wurde ich abgewiesen. Auch eine kleine Ecke der großen Rasenflächen, die überall zwischen den einzelnen Parzellen angelegt waren, wurde mir verwehrt. Obwohl dort teilweise Autos parkten. Auch mein, zugegeben erfundenes „Müde sein vom langen Radfahren“, half nichts. Keine Chance. Bei einem privaten Platz wäre das sicherlich anders gelaufen. Aber ich hatte Glück, nach wenigen Kilometern fand ich eine wilde Wiese, auf der ich mich hinter einem Busch gut verstecken konnte. Am nächsten Morgen fuhr ich zurück und benutze „zur Strafe“ ungefragt die Duschen. Obwohl das auffällig bepackte Rad an der Außenwand lehnte, interessierte es niemanden.

 

Meine Tagesstrecken sind jetzt unterschiedlich lang. Mal sind es 50, mal 70 Kilometer. Ich lasse mir Zeit und bummle mehr und genieße das schöne Wetter und die Bucht. Mein niedrigster „Rekord“ war hinter Wiarton. Ich kam erst spät weg und wurde von einem Rennradpärchen überholt. Wir schwatzten während der Fahrt, drei Räder nebeneinander !!!! und als wir ihr zuhause erreichten, wurde ich auf einen kühlen Saft auf die Terrasse gebeten. Erst nach einer Stunde fuhr ich weiter, es war bereits später Nachmittag. Nach kurzer Zeit erreichte ich einen kleinen Park zwischen der Straße und dem See. Etwas Wiese, Picknicktische unter Bäumen und der See als Badezimmer. Perfekter geht es nicht. Ich beschloss zu bleiben. Kilometerstand 19,5. Das Schild „No camping, day use only“ hatte ich leider übersehen.              

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Georg (Mittwoch, 14 August 2019 21:40)

    Danke Erni, schöne Beschreibungen! Ich denke an dich!

  • #2

    Jim and sherry (Sonntag, 18 August 2019 19:09)

    We were thinking of you and wondering where you were at. Your pictures are beautiful and descriptions of the area very vivid! Jim and I were in Ottawa a few days and we are now on our way to Quebec. We have seen lots of beautiful sites along the way. Wishing you safe travels.

  • #3

    Inga (Montag, 19 August 2019 19:25)

    Hi Bruderherz, sooo schöne Fotos. Weiterhin gute Fahrt und nette Begegnungen!
    Your Sista

  • #4

    Kerstine (Mittwoch, 21 August 2019 20:28)

    Hallo Ernst,
    ich habe heute Christine getroffen, Sie zählt schon die Tage bis zu Ihrem Abflug nach Toronto!
    Ich beneide Dich / Euch! Wie gerne würde ich jetzt auch einfach losradeln oder mit dem Wohnmobil durch so schöne Landschaften fahre!
    Ich wünsche Dir / Euch weiterhin eine tolle Zeit!
    LG Kerstin e

  • #5

    Marco (Samstag, 24 August 2019 14:23)

    Schön, dass du immer wieder auf Menschen triffst, die dich auf unterschiedlichste Art unterstützen. Die ungefragte Benutzung der Dusche kann ich nachvollziehen, Ungerechtigkeit muss bestraft werden.

    Ich schaue jetzt häufiger im Blog vorbei ;)

  • #6

    Ernst (Donnerstag, 29 August 2019 20:45)

    Hallo Kerstin,
    schön, dich auf dem Blog zu "treffen". Ja, du hast recht. Es ist ein Privileg, so reisen zu können und ich genieße es auch sehr. Die Menschen und das Land sind schon etwas besonderes. Nur die lange Trennung schmerzt ein wenig. Aber wir haben ja bald Womo-Urlaub!!!
    Liebe Grüße, auch an Roman und die Kids!