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Auf dem Weg zur Manitoulin Island

"No Camping". So kam es zu meiner ersten Nacht in der Hängematte.

Nachdem ich eine Zeit lang dem St. Mary`s River folgte, erreichte ich den Lake Huron, benannt nach dem Stamm der Huronen, die sich hier vor mehreren Tausend Jahren ansiedelten. Der See ist deutlich kleiner als der Lake Superior, trotzdem ist auch hier kein Land am Horizont zu sehen. Die Fahrt war jetzt abwechslungsreicher, da ich teilweise durch das Hinterland auf kleinen Straßen unterwegs war. Ich kam überwiegend durch Farmland, das mich manchmal an Schleswig-Holsten erinnerte. Das Übernachten war jetzt deutlich er-schwert, da es kaum Campingplätze gibt und das Land Privatbesitz und eingezäunt ist. So versuchte ich etwas Neues, in dem ich in kleinen Parks, meistens mitten in den Dörfern, abends mein Zelt aufbaute. Und was passierte? Ich wurde morgens freundlich gegrüßt, teilweise blieben Bewohner auf einen Small Talk. Dadurch ermutigt, probierte ich es des Öfteren. Es klappte immer. Leider war es dann mit den Nebenstraßen vorbei, der Highway hatte mich wieder fest im Griff und ich dessen müde. Sowohl muskulär als auch mental. 15 Kilometer vor dem Ort Spanish signalisierten mir die Beine, dass sie nicht mehr wollten. Da kam mir ein perfekter Rastplatz gerade recht. Wiese, Bäume, Campingtische, Wassertoiletten und ein kleiner Fluss mit Felsenufer. Was will man mehr! Wenn da nicht das Schild „No camping“ gewesen wäre. Doch ich wollte nicht weiter, nicht ans Limit gehen. Ich hatte mittlerweile gut 1.000 Kilometer in den Beinen und befürchtete, das dann am nächsten Tag gar nichts mehr ginge. Hängematte ist bestimmt kein Campen, entschied ich und packte das nagelneue Stück aus. Doch welch eine Enttäuschung. Es war nur eine Aufhängung in der Verpackung. Lieber Hersteller, eine Hängematte hat ZWEI Enden. Dann wiederholte sich eine Erfahrung, die ich auch auf der ersten Etappe immer wieder machte. In der Not gibt es eine Lösung. Diesmal als freundlicher Wohnmobilfahrer, der mir kurzerhand ein Verzurrgurt schenkte. Die Nacht war gerettet. Ich schlief etwas unruhig, zog mit nachts noch eine Fleecejacke an, lernte aber was nächstes Mal besser machen werde. Highwaygesättigt wie ich war, sehnte ich mich auf der Manitoulin Island dem Dorf Wikwemikong entgegen. Auf dieser größten Süßwasserinsel der Erde leben 30 % Ureinwohner. Die Natives sind hier besonders stolz, weil sie sich nie den Weißen unterordneten und zu keiner Zeit Land abtraten. Sie erstritten sogar das Recht, jederzeit innerhalb Kanadas einen eigenen Staat gründen zu können (was sie wohl kaum tun werden, dafür sind Kanadas Fleischtöpfe zu gut gefüllt). An jedem ersten Augustwochenende findet in Wikwemikong eines der bekanntesten Pow Wow Nordamerikas statt. Sogar aus den USA reisen Stämme an. Das wollte ich sehen und dort wollte ich ein paar Tage bleiben, um mich auszuruhen. Doch es kam anders.         

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Christine (Mittwoch, 07 August 2019 06:18)

    Es gibt eben immer wieder rettende Engel unterwegs...