· 

Highway Junkie 1

Mittagspause an einem der raren Picknicktischen

 

 

Die nächste Zeit bin ich auf den Trans Canada Highway (TCH) angewiesen, denn ich quere das sogenannte „Kanadische Schild“. Eine riesige, hügelige Wald-landschaft mit abertausenden Seen. Der TCH ist hier, außer einer Eisenbahntrasse, die einzige Quer-verbindung Kanadas und somit die Verbindung schlechthin. Mit Ausnahme der kleinen Städte und Dörfer entlang dieser Straße, leben hier nur sehr wenige Menschen. Dafür Myriaden von Mücken, unzählige Elche, Bären, Biber und viele Tiere mehr.

 

Den Trans Canada Trail (TCT) durch diese wilde, urwaldartige Landschaft zu bauen ist schier unmöglich und so ist er hier als Kanuroute entlang dem Nordufer des Lake Superior ausgewiesen. Radler also ab auf den Pannenstreifen des Highways. Gelegentlich nervt es, wenn die großen Brummer an einem vorbei zischen, aber die Kapitäne der Straße und die anderen Autofahrer nehmen auf die Radfahrer viel Rücksicht. Einige fahren langsam an einem vorbei und erkundigen sich, ob man genügend Wasser dabei hat. Als es sehr heiß war und ich an einem sehr steilen Anstieg die letzten 100 Meter das Fahrrad schieben musste, quälte sich hinter mir ein schwerer Truck ebenfalls hoch. Der Fahrer hupte kurz und warf mir, als er mich erreichte, eine Flasche Wasser durch das Beifahrerfenster. Sie landete im Gras, blieb heil und ich konnte meine Trinkflasche auffüllen.
Die Entfernungen hier sind natürlich für Radfahrer nicht ganz einfach. Orte, Tankstellen und Rastplätze sind soweit auseinander, dass ich oft improvisieren muss. Für den Nachmittagskaffee (und Kuchen) muss schon mal ein Felsen als Koch- und Sitzplatz herhalten und meistens verdrücke ich mich abends in einen Waldweg und finde oft nach wenigen 100 Metern ein Plätzchen für das Zelt. Allerdings fressen mich die Mücken fast auf, sobald ich nur wenige Meter von der Straße entfernt bin. So lernte ich, mich mit dem gut wirksamen Insektenmittel vor dem Abbiegen einzureiben. Und dabei darf ich nicht vergessen, mich auch unter den Socken einzuschmieren, denn die Quälgeister stechen da einfach durch.

 

Die Orte am TCH sind touristisch selten interessant, aber gute Versorgungsstationen. Wenn nicht das Problem mit den großen Verpackungen wäre. Säfte ab zwei Liter, Butter ab 500 Gramm, Eier in 12er-Pack und so weiter. Das kann kein Radler transportieren, vom schnellen Verderben bei Hitze mal abgesehen. So bleiben mir meistens nur die Shops der Tankstellen, wo man beispielsweise für das morgendliche Müsli auch eine Halbliterflasche Milch bekommt. Die kostet dann allerdings 3 Dollar.

 

Das Wetter ist extrem wechselhaft. Vom Nebel morgens mit 12 Grad bis zur sengenden Hitze mit über 30 Grad, ist hier an einem Tag alles möglich. In einer der Nächte, ich schlief in der Wildnis, entlud sich nachts ein Gewitter, das ich ums (sehr gute) Zelt fürchtete. Aber es blieb heil und ich trocken.

 

Traumhaft sind die, leider wenigen, Abschnitte mit Blick auf den riesigen Lake Superior. Wenn ich auf dem Navi sehe, dass die Straße direkt am Ufer verlaufen wird, freue ich mich auf einen Übernachtungsplatz am Strand. Aber entweder ich schaue mir dann das Ufer aus 100 bis 300 Meter Höhe an oder ich entdecke ein Blockhaus mit Bootssteg. Sehr schade.
Oft verläuft zwischen der Straße und dem See die Eisenbahntrasse und ich bin immer wieder erstaunt, wie sich die über ein Kilometer langen Züge wie ein riesiger Wurm durch die Landschaft schlängeln.

 

Mal sehen, wie lange ich dieses Leben als Highway Junkie noch führe. Ich spiele mit dem Gedanken, mich bei den Waldabschnitten von einem freundlichen Pick up-  oder LKW-Fahrer mitnehmen zu lassen. Das würde viel Zeit sparen, die ich für so viele schöne Gegenden und Orte, die noch vor mir liegen, interessanter verbringen könnte.

Ich werde berichten.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Marco (Freitag, 23 August 2019 16:55)

    Eine nette Geste vom Trucker, dir eine Trinkflasche aus dem Fenster zu zuschmeißen :)

    Hast du für dein Zelt kein Überzelt? Also eine weitere Schicht über den Stangen? Und wofür ist die gelbe Plastikdose auf dem Fahrrad? Für Obst?

  • #2

    Papa (Montag, 26 August 2019 20:42)

    Hallo Marco,
    doch es ist ein Doppelzelt. Innen ist also noch eins. Die gelbe Plastikdose ist ein Eiercontainer. In der Packtasche gibt es sonst nur Rührei.
    Machs gut Sohnemann, Papa

  • #3

    Marco (Dienstag, 27 August 2019 14:06)

    Ah, okay. Das ist auf den Fotos nicht ersichtlich.

    Das macht Sinn. Auf dem Foto sieht der Eiercontainer viel größer aus als er in Wirklichkeit vermutlich ist.