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Erste Fahrt gen Osten

Abendstimmung am See

 

 

Ich kam erst um 9:30 Uhr weg, da ich wegen der lauten Gäste erst spät einschlief und später als geplant aus dem Schlafsack kam. Der Himmel war wolkenlos und es war bereits 26 Grad warm. Zum Mittag steigerte sich das dann auf 29 Grad. Auf einer Tankstelle meinte ein Trucker, ich hätte ja Glück, das es noch nicht so heiß sei. Ups.

 

Zuerst fuhr ich eine kleine Landstraße parallel zum Lake Superior, vorbei an gepflegten Häusern und Gärten. Hier scheint das wohlhabendere Thunder Bay zu wohnen. Später musste ich dann auf den Pannenstreifen vom Trans Canada Highway. Doch das ist hier normal, wenn es keine Alternative gibt, müssen sich Auto- und Radfahrer den Highway teilen. Es gibt sogar Verkehrsschilder für Radfahrer. Zum Glück musste ich nach kurzer Zeit auf eine kleine Straße abbiegen, die bis zur Südspitze der Halbinsel zum Sleeping Giant Provincial Park führt, meinem heutigen Ziel (Provincial Parks sind regionale Naturschutzgebiete, Nationalparks landesweite). Ziemlich abgekämpft kam ich nachmittags dort an, denn ich hatte zwar keine Berge zu erklimmen, doch gab es immer wieder lange Anstiege. Hinunter ist man schnell geflitzt, anschließend muss sich der Radler wieder hoch mühen. So kommen im Laufe eines Tages oft mehr Höhenmeter zusammen, als in den Bergen, wo es einmal richtig hochgeht und dann bleibt man auf der Höhe. Die Kanadier nennen das stetige Auf und Ab „Rolling Hills“. Die 70 km „Rolling Hills“ waren es nicht, die mir bei der Ankunft im Park den Atem verschlug, sondern die 85,- $ (allerdings „nur“ kanadische Dollar) Eintritt- und Übernachtung für zwei Tage bzw. Nächte. In Thunder Bay hatte ich für einen top ausgestatteten Campingplatz noch nicht einmal die Hälfte bezahlt. Dafür befinden sich die Campingplätze in den Naturschutzparks in traumhaften Lagen, man wohnt im Zielgebiet und meistens sind die Stellflächen sehr groß. So auch hier, ich könnte noch drei bis vier weitere Zelte aufstellen. Eine Gruppe mit drei Zelten wären auch erlaubt, dann wird es  deutlich billiger, wenn man sich den Preis teilen kann. Den großen Platz und den sehr großzügigen Abstand zwischen den einzelnen Stellflächen tauscht der Gast gegen geringen Komfort ein. Duschen, Strom, Wi-Fi - alles Fehlanzeige. Auch einen Laden gibt es nicht, dafür ein sehr schönes, kleines Museum mit vielen Informationen über den Park. Ob Flora, Fauna, Geologie, Geschichte, hier wird alles äußerst anschaulich dargestellt.
Ich richtete mich auf meinem „halben Fußballplatz“ ein und fuhr noch zum sehr schön gelegenen See, der zum Campingplatz gehört. Gut, dass ich mit dem Rad unterwegs bin, denn das Gelände hier ist viel zu weitläufig, als dass man es zu Fuß erkunden könnte.

 

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