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Australische Schotterpiste

Auf Nebenstraßen unterwegs

 

 

Ich versuche so viel wie möglich die Hauptstraßen zu meiden und auf kleine, kaum befahrene, Nebenstraßen auszuweichen. Das sind überwiegend Schotterpisten. Heute erwischte ich eine, die mich gedanklich fast nach Australien katapultierte, da sie sich als rotbraunes Band durch den grünen Wald schlängelte. Ich musste fix aufpassen, denn der lose Schotter kann sehr rutschig werden und das Vorderrad sucht sich seinen eigenen Weg. Da liegt der unkonzentrierte Biker schnell im Dreck und holt sich blutige Knie. Das blieb mir erspart, dafür überzogen sich Fahrrad, Füße und Beine mit einer rotbraunen Patina. Da die Piste ab und zu unmittelbar am Ufer des Lake Superior entlang führt, hatte ich genug Gelegenheiten, den Staub abzuspülen. Nach 55 km erreichte ich den Trans Canada Highway und der Pannenstreifen wurde wieder zu meinem Radweg. Heute wurde mir klar, was vorgestern der Trucker meinte, als er bei 29 Grad die gute Radfahrtemperatur lobte,denn das Thermometer kletterte heute auf fast 35 Grad. Am heißesten ist es immer zwischen 13 und 16 Uhr. Das Gute am Highway ist seine Infrastruktur. Hin und wieder eine Tankstelle mit kühlen Getränken oder Rastplätze mit überdachten Picknicktischen. So einen erwischte ich heute. Im Schatten eines ausladenden Dachs machte ich mir einen Cappuccino und verputzte die restlichen zwei Muffins, die sich noch in der Tiefe der „Küchenpacktasche“ befanden. Neben mir rollte ein Moslem auf dem Rasen seinen Gebetsteppich gen Osten aus, sprach sein Nachmittagsgebet und gesellte sich anschließend zu mir. Er hatte den kleinen Deutschlandwimpel an meinem Gepäckträger entdeckt. Seine Schwester lebt in Bielefeld, weshalb ihm „Schwarz-Rot-Gold“ gleich auffiel. Da die Muffins schon futsch waren, bot er mir seine dünnen Pfannkuchenfladen an, und hielt mir ein XXL-Nutellaglas vor die Nase. Das nahm ich selbstverständlich nuuuur der Höflichkeit wegen an und würgte es hinunter, weil Nutella ja soooo eklig ist. Im Gegenzug brühte ich ihm eine Tüte „total frischen“ Cappuccino auf. Schwatzend und schmatzend überbrückten wir so die heißesten Stunden, obwohl er in seinem dicken Chevy eine Klimaanlage hat. Halb fünf fuhr jeder seines Weges, für mich weiter gen Osten. Ich peilte in einem kleinen Ort einen Campingplatz an. Innerhalb einer Stunde sank die Temperatur um 10 Grad und im Norden zogen dunkle Wolken auf. Als es bedenklich anfing zu grummeln, bog ich kurz entschlossen ab. Nach wenigen 100 m fand ich einen Waldweg, dem ich nur 400 m folgte, bis eine geeignete Lichtung zum Übernachten auftauchte. Das Zelt war gerade aufgebaut, als es heftig schüttete. Ich saß gemütlich im Trockenen und vertiefte mich in meinen E-Book-Reader.                      

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Davis Tokoda (Mittwoch, 17 Juli 2019 21:24)

    Schönes Wetter �

  • #2

    Eva Wasielewski (Freitag, 19 Juli 2019 12:36)

    Lieber Ernst, schön, dass Dein Blog wieder online its. Ich werde die Berichte mit Vergnügen lesen. Pass gut auf Dich auf!

  • #3

    Silke (Samstag, 20 Juli 2019 12:22)

    Lieber Ernst,
    ich begleite dich täglich aus Fontaube.
    Liebe Grüße!