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Unterwegs

Nächtiches Auspacken am Thunder Bay Airport

 

Ich flog zum ersten Mal mit Air Lingus über Dublin, was sich als gute Kombination erwies. In Toronto gab es ziemlichen Stress, da ich vom internationalen Terminal zum nationalen wechseln musste. Also ging es mit dem sperrigen Fahrradkarton durch schmale Gänge, in kleine Fahrstühle und zu guter Letzt, fuhr ich mit einer Hochbahn. Aber die Kanadier sind freundliche Menschen. Sie quetschten sich an die Wände, wenn ich kam, hatten Geduld beim Rangieren in die Fahrstühle und einige verließen diese sogar, nur um mir Platz zu machen. Bei der Security dann das gleiche wie in Hamburg, das Rad wurde peinlich genau untersucht. Für mich hieß das erneutes packen. Zum Glück hatte ich ausreichend Tape dabei.

 

Mit dem Flieger nach Thunder Bay war ich weitere drei Stunden in der Luft und wegen einer satten Verspätung landete die Maschine endlich um 00:30 Uhr. Nach MEZ war es 6:30 Uhr und ich war bereits 26 Stunden ohne Schlaf, von ein bisschen Dösen auf dem Flug nach Toronto mal abgesehen. Die Sorge um das Rad erzeugte genug Adrenalin für die nächsten Stunden, sodass ich auspackte, schraubte und alles einstellte. Bei Air Canada darf der Karton nämlich nur 160 cm lang und 80 cm hoch sein. Das bedeutet: Vorderrad ausbauen, Lenker abbauen, Sattel herausziehen und die Pedale sowieso abnehmen. Nun also alles wieder rückwärts. Mittlerweile war es total still im Flughafen, ich war ganz allein. Aber nein, es kam ein Mitarbeiter von der Security, der sich über mich freute. Lachend meinte er, dass er sonst der einzige um diese Zeit wäre, da der Flughafen bis eine Stunde vor der ersten Maschine geschlossen sei. Dann fand er meine Reise interessant und er hätte mir gerne geholfen, aber er muss seine Rundgänge einhalten. Darüber war ich ganz froh, denn an meinem Bike schraubte ich in diesem Fall lieber selbst. Als ich fertig war, versuchte ich auf einer Bank noch etwas zu schlafen. Das klappte aber nicht, da mittlerweile die Reinigungsleute mit ihren lauten Maschinen herumfuhren. So radelte ich in den Sonnenaufgang von Thunder Bay. 13 frische Grad und der Fahrtwind machten mich augenblicklich munter. Bei einem „Tim Horton“, Kanadas Antwort auf McDonald, nur viel besser da es immer eine große Kuchenauswahl und neben Pommes und Burger eine kleine Auswahl  „richtiges Essen“ gibt, frühstückte ich. Dann begann meine Einkaufstour. Die Adressen verschiedener Geschäfte hatte ich bereits zuhause recherchiert: Lebensmittel, Gaskartuschen, biologisch abbaubare Outdoorseife (Shampoo, Pril und Rei in der Tube in einer Flasche….whow.) Ich drehte noch einige Runden in Thunder Bay, aber ich empfand den Ort nicht sehr interessant. Dann kam mir ein Radlerpaar aus San Diego entgegen und die schleppten mich mit zu einer berühmten Eisdiele, von der sie gehört hatten. Gutes Eis? Das löst bei mir heftigen Appetit aus. Und tatsächlich, es gab Bioeis vom feinsten, seeeehr lecker. Dermaßen gestärkt fuhr ich die restlichen 25 km bei 29 Grad zum Campingplatz. 

 

Jetzt hatte ich den Ehrgeiz noch ein paar Stunden auszuhalten, denn nur so konnte ich mich am schnellsten an die Zeitumstellung gewöhnen. Nach dem Abendbrot half selbst das Duschen nicht, mich wach zu halten. Um halb acht hiesiger Zeit kroch in den Schlafsack und schlief augenblicklich ein.
Ich hörte nicht mehr, dass neben mir zu später Stunde eine Gruppe mit zwei Autos und mehreren Zelten kam und noch etwas Party machte. Sie entschuldigten sich bei mir am nächsten Morgen wegen des Lärms. Ich konnte sie beruhigen, ich schlief wie ein Stein.    

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Roman (Sonntag, 14 Juli 2019 21:28)

    Lieber Ernst, schön zu lesen, dass Du gut angekommen bist und Deine Tour beginnt! Ich wünsche Dir tolle Erlebnisse, Menschen, Landschaften und immer eine handbreit Luft im Reifen;)
    Liebe Grüsse,
    Roman

  • #2

    Ernst (Mittwoch, 17 Juli 2019 00:36)

    Ich danke Dir!!!
    Liebe Grüße zurück.