Der Engpass des großen Geistes

Mein Abschied vom Trans Canada Trail

 

An vielen Ortsnamen in Manitoba ist erkennbar, dass hier besonders viele Mitteleuropäer einwanderten. Besonders der Ort „Holland“ pflegt seine „heimische Kultur“ und dokumentiert dies mit einer großen Windmühle direkt am Highway.
Im „Spruce Wood Provincial Park“ hatte ich noch einen wirklich schönen Abschnitt auf dem TCT. Die Landschaft hier erinnerte mich ein wenig an die Nordheide. Es fehlten nur noch ein paar Zypressen und natürlich die Heide. Beim Durchfahren dieses Parks ahnte ich noch nicht, dass dies mein Abschied vom TCT war.
Nach dem Park wurde die Landschaft auch hier sehr flach und der Getreideanbau dominierte einfach alles. Kaum ein Ort, der nicht über große Getreidesilos verfügt, die meist sogar Gleisanschlüsse hatten. Kanada gehört zu den großen Getreideproduzenten der Welt und bei der, im Verhältnis zur Anbaufläche, relativ kleinen Bevölkerungszahl, wird das meiste exportiert.
Mittlerweile hatte auch die Getreideernte begonnen. Mit riesigen, eine beige Wolke hinter sich herziehenden, Mähdreschern fuhren die Farmer über ihre Felder. Mit großen Lkws wurde ununterbrochen die Ernte zu den Getreidesilos gefahren. Traktoren mit Anhängern sah ich nie. Musste einer der Mähdrescher zum Wechseln auf ein anderes Feld die Straße benutzen, nahmen diese Ungetüme fast den gesamten Highway ein und wurden wegen der Überbreite von Begleitfahrzeugen eskortiert. Ein Überholen war nicht möglich und der Gegenverkehr musste auf den Standstreifen ausweichen. Leider konnte ich das nicht fotografieren, denn der Standstreifen war mein Radweg und ich hatte ordentlich zu tun den geringen Platz, den ich für mich beanspruchte, zu verteidigen.
Doch auch das gehörte bald zum täglichen Bild und die ständige Wiederholung holte die Langeweile zurück. Auch die kleinen Orte entlang der Route ähnelten sich alle und waren irgendwie austauschbar.
Der Verlauf des TCT kreuzte die Landstraße Nr. 2 und ich dort sah ich das Schild „Winnipeg 190 km“. Das wären zwei stramme Radlertage schoss, es mir durch den Kopf. Auf der TCT-Route wären es noch rund 400 km. Hier war es ohnehin an der Zeit für die Mittagspause und einen schattigen Picknicktisch gab es auch. Beim Essen kämpfte ich dann innerlich. Gab ich dem Verlangen aufzuhören nach oder sollte ich die restlichen Kilometer noch zu Ende fahren? Das wäre gefühlt ein sklavisches Abspulen. Meine "große Schwester" teilte mir vor einigen Tage mit, das der Name Manitoba aus dem indianischen "Manitou bou" abgeleitet ist und übersetzt „Der Engpass des Großen Geistes“ bedeutet. Als ich mich wieder auf das Rad setzte, hatte mein Geist auch einen Engpass, denn fast wie von selbst, lenkte ich das Rad auf den Highway 2 und strampelte los.
Winnipeg ich komme.    

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0