Manitoba - die letzte Provinz der Reise

Getreidesilos - die Kathedralen der Prärie

 

Als wir die Grenze zu Manitoba überfuhren, war es fast dunkel, aber die Landschaft war noch gut zu erkennen. Natürlich änderte sich über viele Kilometer nichts, denn auch die Grenze zwischen Saskatchewan und Manitoba ist ein "politischer Strich" und keine natürliche wie ein Gebirge oder Fluss. Und warum sollte die Landschaft jenseits einer per Lineal gezogenen Grenze eine andere sein? So war ich im Nachhinein ganz froh, dass es die Grenzstation als Bahnhof nicht mehr gab und der Zug mich noch 100 Kilometer hinein nach Manitoba brachte.
Und natürlich hatte Via Rail wieder fast fünf Stunden Verspätung und spuckte mich statt um 20 Uhr mitten in der Nacht gegen halb eins in "Rivers" aus. Mit mir stiegen noch zwei ältere Damen aus, und nachdem die und deren Abholer fort waren, stand ich allein auf dem Bahnhof, der hier noch nicht mal über einen  Raum verfügt. Im Licht der Straßenlaternen entdeckte ich direkt neben der Station eine frisch gemähte Wiese, die zur Straße durch eine Hecke abgetrennt war. Die bot etwas Sichtschutz und kurz entschlossen lag ich dort ein paar Minuten später in meinem Stoffhäuschen.

Am nächsten Morgen fand ich gleich gegenüber ein Gemeindezentrum mit zwei Picknicktischen davor. Nach dem Schlafzimmer hatte Rivers nun auch noch Küche und Esszimmer für mich. Im Gebäude dann noch ein Bad, denn es gab pieksaubere Waschräume. Perfekt! Manitoba, dein Einstand war gelungen!

 

Das Radeln machte wieder richtig Spaß. Kaum Steigungen, windstill, knapp 25° bei Sonnenschein und ein kontrastreiches Wolkenspiel über schöne, südschwedische Landschaft. Ja, die Gegend erinnerte mich an Südschweden, wenn man von Malmö oder Trelleborg in den Norden fährt.  Es war nicht so trist wie in den vergangenen Tagen, die Landschaft war abwechslungsreicher und zum Getreide kamen jetzt noch Kartoffel- und Tabakanbau. Und, gaaanz wichtig: Hier sind auch die kleinen Straßen wieder asphaltiert. Und so "flog" ich ohne große Anstrengungen mit 20 – 25 km/h durch Manitoba und genoß es.
Nur eines wiederholte sich leider. Wo war nur der TCT? Ich hatte bewusst einen Umweg zur Straße Nr. 353 gewählt, weil der TCT diese Straße, irgendwo zwischen den Farmen, kreuzt. Es gab links und rechts viele kleine Farmroads, aber welche davon nun der TCT war, war sein Geheimnis. Um nicht wieder in Farmsackgassen zu landen, blieb ich vorsichtshalber auf der Landstraße und hatte von dort wieder die gleiche Natur um mich herum. Im Nachhinein hatte es sich bewährt, den TCT als Route zu verwenden, aber auf den kleinen Straßen zu fahren. Denn auch wenn der Trail meistens mit dem Rad nur schwer oder gar nicht zu befahren war, so führte er jeweils durch die interessanteste Gegend.               

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Florian Zeitler (Dienstag, 15 August 2017 22:18)

    Hallo Herr Weber,
    ich bin selber ein Fahrrad-Trekker und verfolge ihren Blog nun seit Beginn an. Machen sie weiter so und lassen sie sich nicht von einer (temporären) landschaftlichen Tristesse negativ beeindrucken. Ich respektiere ihren Durchhaltewillen und die Leistung, die sie bisher erbracht haben! Ich hoffe, sie können ihr Abenteuer bis zuletzt genießen. Halten sie durch und viel Glück weiterhin! Und berichten sie weiterhin aus Kanada!
    Beste Grüße aus der Nordheide!
    Florian Z.

  • #2

    c (Freitag, 13 Oktober 2017 09:04)

    schöne Fotos - und die Bezeichnung "Stoffhäuschen" für Zelt gefällt mir