Abgesoffen

Camping im See

 

 

Saskatchewan bietet leider keine Abwechslung und wurde nach einigen Tagen langweilig. Das einzig Wechselnde waren die Getreidesorten. Ich ertappte mich dabei, dass ich von Weitem rätselte, wie viel Getreidesilos die nächste Farm haben wird und auf welche Siedlerherkunft der Name des nächsten Ortes schließen ließ. Und ich hatte mich schon gewundert, dass weder die Provinz noch deren Städte in den Reiseführern meines E-Books erwähnt werden. Und ich habe sehr detaillierte Reiseführer von mehreren Verlagen. Jetzt weiß ich warum!
Auch die Kanadier, mit denen ich ins Gespräch kam, meinten der Westen und Osten des Landes seien traumhaft schön, aber in der Mitte sollte man nur durchfahren. Ich muss einräumen, das waren auch Kanadier aus dem Osten bzw. Westen. Aber es stimmte irgendwie, denn auch ich fuhr eigentlich nur Fahrrad. Die Reise wurde zur reinen Radtour abgewertet. Ich strampelte täglich über 100 km, weil es nichts zu besichtigen gab und ich kaum etwas fand, was einen Fotostopp wert war. Das hatte zur Folge, dass sich zum ersten Mal auf dieser Reise mein Hinterteil unangenehm bemerkbar machte. Es war dieses ununterbrochene Sitzen auf dem Sattel nicht gewohnt.  
Im Ort North Battleford wurde ich dann doch noch überrascht. Nämlich von einem Gewitter riesigen Ausmaßes mit taubeneier-großen Hagelkörnern. Ich rettete mich auf einen Campingplatz und weil der Regen so plötzlich und so heftig einsetzte, konnte ich mir nicht mehr die Regengamaschen über die Füße stülpen, sodass das Wasser an meiner Regenhose herunter, direkt in die Schuhe lief. Toll, es war nasskalt und jetzt hatte ich noch nasse Schuhe.
Im Regen baute ich das Zelt auf und hatte mir wohlweislich eine etwas höhere Stelle ausgesucht. Das war gut so, denn binnen einer Stunde glich der Campingplatz fast einem See. Es schüttete die ganze Nacht durch, Blitze und Donner wollten nicht aufhören und am nächsten Morgen konnte ich Schlafsack und Luftmatratze noch einigermaßen trocken einpacken.
Mein Entschluss stand nun fest, auf dem kürzesten Weg nach Saskatoon zu radeln. Vielleicht würde ich Glück im Unglück haben, denn Saskatoon ist eine Station auf der Via Rail-Strecke. Ich würde dann das letzte gute Drittel der Provinzquerung mit dem Zug fahren. Genau auf der Grenze nach Manitoba, der letzten Provinz meiner Reise, ist ein Bahnhof.
Dieser Gedanke beflügelte mich, denn ich trat die Reise mit dem Anspruch an, Freude zu haben. Und die hatte ich nicht mehr. Im Internet erfuhr ich, das am Donnerstag, den 10.08 morgens in Saskatoon der Zug Richtung Manitoba abfährt. Das erforderte ordentlich in die Pedalen zu treten, um bis Mittwochabend dort zu sein. Ich hatte mich die letzten Tage bereits gewundert, woher meine Beine die Kraft und Ausdauer hernahmen. Ich bin ja ziemlich dünn geworden. Und auch jetzt rotierten die Beine, was das Zeugs hielt und dabei merkte ich gar nicht, dass ich die 3.000er-Kilometermarke knackte. Und wieder kam mir mein Schutzengel, diesmal in Gestalt von Nester, zur Hilfe. Ich stand auf dem Seitenstreifen des Highways, um etwas zu trinken. Ganz selbstverständlich hielt er an, bemerkte, dass er nach Saskatoon fahren würde und ratz fatz war das Rad auf der Ladefläche seines Pick up fest gezurrt. Es war eine kurzweilige Fahrt. Seine Vorfahren waren aus der Ukraine eingewandert, die seiner Frau aus Deutschland. Ich erfuhr viel von der Besiedelung des Landes und es war interessant zu hören, wie oft sich die Eheleute in der Siedlergeschichte aus unterschiedlichen Nationen zusammenfanden und so die Basis für die, hier funktionierende, multikulturelle Gesellschaft, bildeten. In Saskatoon wollte er mich unbedingt beim Campingplatz absetzen und machte auf dem Weg zu diesem noch eine Stadtrundfahrt mit mir. Bei der Rezeption angekommen wartete er so lange, bis feststand, dass ich hier unterkommen würde. Er hätte mich sonst zum nächsten Platz gefahren. Danke Nester, du bist ein ganz feiner Mensch!!!  

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Christiane Metz (Freitag, 13 Oktober 2017 08:58)

    denn ich trat die Reise mit dem Anspruch an, Freude zu haben. Und die hatte ich nicht mehr

    wie ehrlich!