Mit Via Rail nach Edmonton

Auch mein Zug wurde von drei schweren Loks gezogen.

 

Der Zug kam mit eineinhalbstündiger Verspätung in Jasper an. Trotzdem hatte man dort die Ruhe weg. Personenzüge in Kanada sind Urlaubsangelegenheit. Und wer reist, hat Zeit (zu haben). Deshalb haben auf den Strecken Güterzüge Vorrang. Beruflich werden das Flugzeug oder das Auto benutzt.
Schon in der ersten Stunde nach der Abfahrt, wurden die Berge immer kleiner, bis der Zug nur noch durch endlosen Wald fuhr. Hin und wieder blitze ein See oder der Saskatchewan River in der Abendsonne auf. Der Zug zuckelte mehr durch die Landschaft, als das er fuhr. Jedenfalls nach deutschen ICE- und IC-Verhältnissen. Und er musste oft anhalten, weil lange Güterzüge die oft eingleisige Strecke benutzten.
Zweimal fuhren wir sogar für mehrere Kilometer rückwärts, blieben stehen und siehe da, dröhnend kam einer der über einen Kilometer langen Güterzüge mit seinen drei Dieselloks angedonnert.
Ich hatte eine ganze Sitzreihe für mich und konnte später etwas dösen. Richtig schlafen lag nicht drin, dafür ruckelte und klapperte es zu viel. Obwohl keine weiteren Hindernisse auf der Strecke waren, verlor der Zug noch zwei weitere Stunden und ich war morgens um 2 Uhr 30 in Edmonton. Aber was für ein Bahnhof, der gar keiner ist. Hier stand lediglich eine mit Plasikstühlen ausgestattete, kühle Industriehalle, nicht größer als 30 mal 15 m mit WC und Gepäckband. Um 3 Uhr hatte ich das Rad und meine Packtaschen, hier wird alles im Gepäckwagen befördert und Gepäckaufgabe und -ausgabe funktionieren wie auf einem Flughafen und wollte es mir in der Halle etwas "gemütlich" machen. Denn um diese Zeit konnte ich nirgendwo mehr einchecken. Aber ich wurde freundlich gebeten, den Raum zu verlassen, da er abgeschlossen werden sollte. Weil nur drei Züge pro Woche fahren, wird immer nur dann geöffnet. Da stand ich nun, morgens um 3 Uhr, müde in einem Industrieviertel. Und dann, fing es auch noch an zu regnen. Missgelaunt fuhr ich Richtung Innenstadt, immer nach einer Schlafgelegenheit Ausschau haltend. An einem Sportplatz entdeckte ich eine kleine, überdachte Tribüne. Ich zog mir noch eine weitere Schicht Kleidung an, legte die Luftmatratze auf eine Sitzbank und benutzte den Rucksack als Kopfkissen. Um 7 Uhr 30 wachte ich auf. Aber nicht, weil ich gestört wurde, sondern die Blase verlangte nach einem Bäumchen. Im Berufsverkehr fuhr ich zum Hostel und statt nur mein Gepäck abzugeben, durfte ich netterweise schon einchecken. Was war das Duschen herrlich.    

Nach dem Frühstück fuhr ich in die Innenstadt. Da es regnete war alles grau in grau und nichts war sehr einladend.Mir fiel auf, dass es in der Cuty kaum Geschäfte gibt. Die Innenstadt besteht fast nur aus Bürohäusern. Geschäfte sind außerhalb in den Malls und den kleineren Stadtbezirken. Ich brauchte von Saskatchewan und Manitoba Straßenkarten. Aber es gab weit und breit keine zu kaufen. Auch die Tankstellen hatten keine. Das Visitor Center schickte mich zum CAA, dem ADAC von Kanada, wo ich als ADAC-Mitglied die Karten kostenlos bekam. Und noch einen heissen Tee. Nach dem Einkaufen fuhr ich ins Hostel, Edminton ist für mich nur eine "Versorgungsstation".

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Kommentare: 2
  • #1

    Brigitta (Mittwoch, 02 August 2017 07:05)

    Hallo Ernst,
    Nach der herrlicher Natur vorher muss so eine Großstadt bestimmt total unwirklich und wie ein Kulturschock wirken. Ich kann mir auch vorstellen das der Lärmpegel, den eine Großstadt mit sich bringt, etwas nervig ist. Mir ging es nach 4 Wochen Neuseeland so als ich auf der Heimreise einen zwischenstop in Dubai eingelegt habe.
    Dann bist du hoffentlich bald wieder auf mit deinem Rad in eindrucksvoller Natur und angenehmem Wetter unterwegs.

  • #2

    Georg Weimer (Mittwoch, 02 August 2017 07:22)

    Lieber Ernst, erinnerst du dich noch an Schweden, auf dem Campingplatz, als wir mit der Klasse bei Regenwetter pausierten, ein Feuer abbrannten, unsere Übernachtung auf der Bank in dem Hüttchen. Da hatten wir auch nur eine Holzbank. Ich wünsch dir was.