Das Ende der Eisenbahntrassen

Nachtlager auf dem Trail

 

In Midway endet der Kettle Valley Rail Trail und der Columbia Western Rail Trail beginnt, der mich auf 165 km nach Castlegar geführt hat. Bis darauf, dass es damals eine andere Eisenbahngesellschaft war, änderte sich für mich nichts. Es war wieder abwechselnd angenehm zu fahren und extrem hart für mich und das Rad. Aber auch hier wurde ich mit eindrucksvoller Landschaft entschädigt. So mancher Blick und auch Begegnungen mit netten Menschen ließen mich die Anstrengungen der letzten Stunden vergessen. Bergauf spielt das Gewicht eine besonders (ge)wichtige Rolle und ich überlege vor jeder Abfahrt, was ich an Wasser und Nahrung benötige. Auf einem Landstraßenabschnitt fuhr ich spaßeshalber auf eine LKW-Waage (davon gibt es hier viele, die LKWs müssen sich wiegen lassen) und die zeigte doch tatsächlich genau 150 kg an. Die gilt es also die Berge, auch bei Schotter und Sand, hochzuwuchten. Auf einem Abschnitt existierte eine in der Karte eingetragene Wasserstelle nicht (mehr) und ich hatte kaum noch Wasser. In totaler Einsamkeit entdeckte ich, ein paar Hundert Meter vom Trail entfernt, ein Blockhaus. Ich machte mich bemerkbar und bat um Wasser. Eine alte Dame, die dort ganz alleine lebt, ließ mich, ohne zu zögern in ihr Haus und ich konnte meine Flaschen auffüllen. Später kam ich noch an einen Bach, der zu meinem Badezimmer wurde, aber das konnte ich noch nicht wissen. In der Wildnis funktioniert noch das Gesetz, dass jeder jedem hilft.

Mit zwei Zwischenübernachtungen kam ich am dritten Tag abends in Castlegar an und checkte bei noch immer 32 Grad ein. Hier werde ich drei Nächte bleiben in der Hoffnung, dass die Hitzewelle etwas nachlässt. Denn ab hier kenne ich die Trailbedingungen nicht. Jetzt gibt es keine "sanft" ansteigenden Eisenbahntrassen mehr und ich nähere mich den Rocky Mountains. Bisher war ich für kanadische Verhältnisse eher im Harz unterwegs. Nun kommen die Hochalpen plus 1.000 m. Für die nächsten Tage sind 37-38 Grad Hitze angekündigt. Eine Hitzewelle hat diesen Teil Kanadas fest im Griff und der Wind gleicht mehr einem Föhn, als einer Erischung.

 

   

 

 

 

 

 

   

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Georg Weimer (Samstag, 08 Juli 2017 06:02)

    Danke lieber Erni, für deine Berichte, sie sind immer spannender zu lesen. Beste GRüße aus einer G 20 Gipfel Stadt, die teilweise im Chaos versinkt. Dein Georg

  • #2

    Inga (Montag, 10 Juli 2017 07:54)

    Hi Bruder, schöne Fotos! Das letzte mit deinem Feuerchen: bekommst du etwas von den vielen Waldbränden mit? Die Temperaturen sind ja nicht gerade ideal für anstrengende outdoor Aktivitäten.
    Herzliche coole Grüße, wir haben hier eher irischen Hochsommer: Regen, Sonne, aber mild. I love it!
    Inga

  • #3

    Georg Weimer (Mittwoch, 12 Juli 2017 10:39)

    Lieber Erni, du bist ja wirklich schon lange abgetaucht, es gibt wohl nur die Berge, ohne eine VErbindung. Ich denke weiterhin an dich und schicke Herzensgrüße
    Georg