Zur Obstschüssel von Kanada

Heute hatten das Herz und die Beine fast Urlaub. Der Trail war überwiegend gut zu befahren und es geht hinunter zum Okanagan Lake auf nur noch 650 m. Ich konnte manchmal mehrere Kilometer fahren, ohne eine einzige Pedalbewegung. Was für ein Radlerleben! Zumal das Thermometer wieder 32° anzeigte. Jedoch kühlt der Fahrtwind etwas ab. Ein weiterer Vorteil höherer Geschwindigkeit.

Die Gegend am Okanagan Lake ist bekannt für ihr mildes Klima im Winter und heiße Sommer. Hier werden Obst und Wein angebaut, unter anderem gibt es ausgedehnte Pfirsichplantagen. Folgerichtig nennt sich der Nachbarort von Summerland, meinem heutigen Ziel, Peachland. Ich bin aber noch immer in Kanada - nicht in Südeuropa.

Und das gesamte Gebiet um den See herum ist auch eine Touristenhochburg. So konnte ich die Vorteile genießen, dass am Trail regelemäßig Picknicktische standen. Bevor ich Summerland erreichte, meldete sich der Magen und ich legte eine längere Lunch-Pause ein. Zumal hinter den Büschen ein erfrischender Gebirgsbach plätscherte.

Es gab Spiegeleier an Brötchen, dazu wurden Minimöhrchen aus dem Frischhaltebeutel gereicht und zum Dessert zwei Kirschtaschen mit Cappuccino aus dem Nescafe-Tütchen. Durch die Enge in der Packtasche klebten die beiden Gebäckstücke zusammen und ich musste NOTGEDRUNGEN beide essen. Wäre eine Grizzly-Dame gekommen, hätte ich natürlich geteilt. Aber die Grizzlies sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Apropos Brötchen: die Brötchen hier oder Bagel (Brötchenringe/-Donuts) und das Brot sind ein und dasselbe. Der Unterschied liegt nur in der Form. Und es schmeckt alles gleich. Hellbraun oder dunkelbraun (Whole Weat – das soll Vollkorn sein). Krosch kennen die Bäcker hier nicht. Drückt man das Brötchen platt, hat es ganz von allein nach 5 Sekunden wieder seine runde Form. Konsistenz und Geschmack sind nach drei Tagen wie am erstenTag. Dafür ist der „Ingredients-Zettel“ so lang wie die Tüte. Hier arbeiten Bäcker und Chemiker zusammen. In der modernen Wirtschaft nennt man das "crossover". Vorteil: ich kann machen was ich will, ich habe für mehrere Tage Brot dabei.  

Dermaßen gedopt erreichte ich Summerland und machte nebenbei die ersten 1.000 km voll. Der Name war Programm, denn es war abends noch immer 29° warm. Die Radler vom Osprey Lake hatten mir den Campingplatz der "Dickons Family Farm" empfohlen, den ich auch sofort fand. Wie man auf dem Foto sehen kann, schlafe ch mal nicht unter Sternen, sondern unter Kirschen. Die Farm baut hier natürlich Obst an und der Campingplatz ist mitten in der Plantage. Schade das die Kirschen noch nicht reif sind. Ich könnte vom Zelt aus naschen.

 

   

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Karin H (Mittwoch, 28 Juni 2017 23:13)

    Glückwunsch, die 1000 ist geknackt...weiter so. Mittlerweile sieht es ja bei dir auch richtig nach Sommer aus. Weiterhin viel Spass, keine Stürze und gutes Wetter. Viele Grüße Karin

  • #2

    Ernst (Sonntag, 02 Juli 2017 21:00)

    Hallo Karin,
    danke! Das Rad und ich lagen einmal im Staub. Es ging noch mal gut. Danke auch für deine Anregung, die Reihenfolge im Blog zu tauschen. In meiner Bedienversion geht das, aber in der Gästeversion bleibt das Programm stur in der Reise- (Datums-)reihenfolge. Ich möchte nicht in der Programmierebene "herumfummeln", denn wenn etwas schief geht, steht vielleicht die ganze Webseite und ich habe hier keinen Support. Also weiterhin scrollen ;-(. Ab Alberta beginnt ein neues Kapitel!!!
    Liebe Grüße und mach`s gut,
    Ernst

  • #3

    c (Mittwoch, 11 Oktober 2017 19:54)

    spaßig die Lunch - Beschreibung!