Touristische Hochglanzbroschüren versus Wirklichkeit

Überall wird der Trans Canada Trail hochgelobt. Für Wanderer, Radfahrer und Reiter. Jede Motorisierung ist verboten. Doch die Realität ist oft anders.

Nach einer sehr kalten Nacht, zum Glück reicht mein Schlafsack bis minus 10°, fand ich schnell den Trail. Aber mich erwartete eine üble Wellblechpiste mit tiefem Schotter, großen Steinen und Schlaglöchern jeder Größe. Die Jugend der Gegend tobt sich hier mit ihren ATV (All Terrain Vehicle/Quadbikes) aus und hat den Trail nahezu zerstört. Sicher, der Winter leistete auch seinen Beitrag.

Das 25.000 km Trail nicht überall top sein können ist klar. Mir geht es um die Information. Ein "normales Fahrrad von der Stange" hätte ich hier zerlegt. Ein Rad vom Baumarkt oder Discounter wäre nach 20 km Schrott gewesen.

Ich gebe zu, mit so einem Rad fährt niemand diese Tour. Aber in dieser Einsamkeit kalkuliert der Trailnutzer Ernährung und vor allem seinen Wasservorrat. Wasser ist schwer und man nimmt davon nicht unnötig zu viel mit. Doch wenn man wegen der Trailbeschaffenheit zwei Tage länger unterwegs ist als kalkuliert, kann es schon ein Problem geben. Ich habe eine Handpumpe mir Filter dabei und konnte mich im Gebirgsbach "bedienen."

Ich kam nur mit 8 km in der Stunde voran und mußte höllisch aufpassen. Trotz der breiten Reifen rutschte das Vorderrad immer wieder weg und als ich mal kurz nicht aufpasste, lagen das Rad und ich im Staub. Der erste Sturz der Tour verlief glimpflich. Dann kamen noch einige, zum Glück nicht sehr tiefe, "washouts" dazu. Ich hatte mich zwar nicht hineingesetzt, aber das Wasser war "arschkalt". Über Füßewaschen musste ich mir heute keine Gedanken machen. In Sandalen schob ich, teilweise Hunderte von Metern, das Rad durch, bis an die Radnaben reichendes Wasser.

Eigentlich wollte ich heute noch zum nächsten Ort auf einen Campingplatz. Aber als die Dämmerung einsetzte, brach ich ab und zeltete wieder am Rand des Trails. Wegen der Bären machte ich das Abendbrot 100m vom Zelt entfernt. Und da ich keinen Baum zum Hochhängen der Lebensmitteltasche fand, stellte ich das Rad mitsamt der Packtasche weit vom Zelt entfernt ab. Besser eine zerfetzte Packtasche und nichts zu essen, als ein zerfetztes Zelt und........

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Kommentare: 7
  • #1

    Georg Weimer (Sonntag, 25 Juni 2017 12:12)

    Lieber Erni, mit pocht das Herz, wenn ich das lese. alles Gute deine LauSiGen

  • #2

    Georg Weimer (Sonntag, 25 Juni 2017 12:13)

    Nun gut, mein Lieber jetzt kommen noch die lieben Herzensgrüße zu deinem Geburtstag, einer muss ja der Nachzügler sein, von den Hamburgern deine LauSiGe n.

  • #3

    Günter Theel (Sonntag, 25 Juni 2017 12:16)

    Lieber Ernst, ich kann nicht umhin, Dich zu bewundern! Hoffentlich hast Du doch wenigstens ab und an etwas zu genießen. Mit guten Wünschen und Gedanken magst Du Dich begleitet wissen. Hier ist das Wetter auch nicht vom Besten; die kommenden vier Wochen werden Inga und ich in der Provence sein und von dort Dich begleiten. Komm gesund und wohlbehalten wieder - Deine Taschen voller ungeahnter Erfahrungen, wie sie wohl die Wenigsten von uns machen werden. Gut Pfad Dir - Günter.

  • #4

    Ramona Ninow (Sonntag, 25 Juni 2017 19:33)

    Hallo Hr. Weber, von uns auch noch nachträglich herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.
    Wir verfolgen Ihre Tour mit großer Spannung und Hochachtung, denn wir wissen wie lang, bergig und anstrengend die Route sein wird.
    Uns hat es vor 3 Jahren schon mit dem Auto gereicht, aber die wunderschöne Natur, Parks und Sehenswürdigkeiten entschädigen so manches.
    Wir wünschen Ihnen noch viel Spaß, viel Erfolg und gute Reise
    liebe Grüße aus Buchholz Michael Holdorf und Ramona Ninow

  • #5

    Ernst (Dienstag, 27 Juni 2017 23:19)

    Vielen Dank!!!

  • #6

    Christiane Metz (Mittwoch, 11 Oktober 2017 19:39)

    jetzt würde ich gern wissen, mit welchem Ras Sie unterwegs waren, welcher Hersteller

  • #7

    Ernst Weber (Mittwoch, 11 Oktober 2017 21:14)

    Hallo Frau Metz,
    die Frage nach dem Rad ist absolut berechtigt. Schauen sie mal unter "Ausrüstung" nach. Vorweg: trotz dieser schwierigen Bedingungen hatte ich auf 3500 Kilometer nur einen Platten. Und den erst am Ziel in Winnipeg.