Kampf mit der Natur

Über Nacht hatte es sich nicht nur eingeregnet, es goß aus Eimern. Ich wußte das ich hier durch den sogenannten "gemäßigten Regenwald" fuhr. Aber dies war alles andere, nur nicht gemäßigt. Ich baute im Außenzelt das Innenzelt ab, um wenigsten das trocken zu haben. Im Schutz des Außenzeltes frühstückte ich und packte. In voller Regenmontur fuhr, schlitterte und rutschte ich den Trail entlang. Zum Teil stand das Wasser zentimeterhoch und ich musste mich durch Schlammpassagen kämpfen. Die Natur wurde zusehens wilder und holte sich zurück, was der Mensch ihr einst nahm. Der Trail wuchs buchstäblich wieder zu. Manchmal konnte ich vor lauter Zweigen den Weg vor dem Vorderreifen nicht mehr erkennen. Mit gesenktem Kopf, teilte ich die Äste. Ein auch nur kurzes Loslassen einer Hand vom Lenker hätte einen Sturz zur Folge gehabt. Der Fahrradhelm leistet gute Dienste. Trotzdem kam es mal vor, dass ein Zweig unten durch rutschte und ins Gesicht schlug, was blutige Schrammen zur Folge hatte. Aber es gab keine andere Möglichkeit. Als ich abends im Ort das Visitor Center betrat, wurde ich komisch angesehen und erschrocken gefragt: " Did you have a bear attack"? Nachdem ich sagte, dass ich vom Trail komme und Bären nur gesichtet hatte, hieß es lediglich "Ach so" und die Sache war erledigt. Okay, so ist das hier also.

Aber noch kämpfte ich mich durch die Naturgewalt und bewunderte, ja genoß sie aber auch. Der undurchdringliche Regenwald, meterhohe Farne und Ahornblätter mehrfach so groß wie meine Hände. Immer wieder sah ich umgestürzte Baumgiganten aus denen neues Leben sproß. Das ist noch Natur pur.

Ich hatte überhaupt gar kein Gefühl mehr für Zeit und Raum. Ich wußte nur, hier muß ich durch. Es gab nicht einem Quadratmeter um ein Zelt aufzustellen. Und so fuhr und fuhr ich. Und langsam lichtete sich der Urwald, der "Pfad" wurde Stück für Stück wieder ein Trail und erste Häuser kamen in Sicht. Ich hatte es geschafft, ich war da im doppelten Sinne durch. Im besagten Visitor Center des Ortes Lake Cowichan schickte man mich an die anderes Seite des Ortes zum Campingplatz. Und wieder belebte mich eine heiße Dusche, denn dies war der zweite Tag in Folge, der richtig Kraft gekostet hat. Nachts wachte ich auf, weil ich Krämpfe in den Waden und Fußgelenken bekam. Daraufhin kaufte ich mir am nächsten Tag Magnesiumtabletten.    

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Kommentare: 4
  • #1

    Marco (Dienstag, 20 Juni 2017 20:09)

    Wow - das sind fantastische Naturbilder. Besteht die Möglichkeit, dass du hier Videos einspeist? Hätte zu den Fotos gerne ein paar Videos gesehen.

    Wie geht es deinem Gesicht?

  • #2

    Papa (Dienstag, 20 Juni 2017 23:55)

    Danke, die Schrammen sind wieder weg ;-)

  • #3

    Christiane Metz (Mittwoch, 11 Oktober 2017 17:16)

    Toll das Ahornblatt und der Regenwald - als "Couchpotato" frage ich mich langsam:
    muß Mann sich das antun - aber, wer ein richtiger neugieriger Abenteurer ist, kann wohl nicht anders...

  • #4

    Ernst Weber (Mittwoch, 11 Oktober 2017 21:01)

    Ja, dass mit dem Abenteuergen stimmt. Aber es ging auch nicht anders. Die Alternative wäre eine Landstraße an der Küste (die kam dann später als kleiner Abschnitt noch) gewesen. Ausserdem ist der Wald fantastisch. So etwas gibt es in Deitschland oder vielleicht sogar Europa nicht (mehr).